Fiat Chrysler mit Stotterstart beim Börsendebüt in New York

Die Autobauer Fiat und Chrysler wollen mit ihrer Fusion Geschichte schreiben, doch an der New Yorker Börse feierte ihr neu geformter transatlantischer Konzern ein unspektakuläres Debüt.

Fiat Chrysler mit Stotterstart beim Börsendebüt in New York
Daniel Karmann Fiat Chrysler mit Stotterstart beim Börsendebüt in New York

Zum Handelsauftakt am Montag schnellte der Aktienkurs kurz von 9 bis auf 9,55 Dollar nach oben, fiel dann aber rasch wieder zurück. Letztlich schlossen die Papiere kaum verändert.

Die neuen Aktien der Fiat Chrysler Automotive, kurz FCA, wurden das erste Mal an der New Yorker Börse gehandelt, als Zweitnotiz auch an der Mailänder Börse. Dort waren die Papiere des alten Fiat-Konzerns am Freitag nach mehr als 100 Jahren zum letzten Mal angeboten worden.

«Es ist ein historischer Moment», sagte Verwaltungsratschef John Elkann, der am Montag gemeinsam mit Fiat-Chef Sergio Marchionne zum Börsenstart nach New York gekommen war, um auf dem Parkett die Schlussglocke zu läuten.

Erst am späten Vorabend hatte Fiat endgültig Vollzug in der bereits zum Jahresauftakt beschlossenen italienisch-amerikanischen Fusion gemeldet. Fiat war nach der schweren Wirtschaftskrise 2009 beim stark geschwächten und vom US-Staat vor der Pleite bewahrten Wettbewerber eingestiegen und hatte die US-Tochter später komplett übernommen.

Mittlerweile haben sich die Kräfteverhältnisse allerdings gedreht. Die Hoffnungsträger des verschmolzenen Konzerns kommen überwiegend von Chrysler. Mit einem Verkaufsplus von 20 Prozent zum Vorjahr führte das Unternehmen im September die Absatzcharts im US-Automarkt an. Vor allem die Marke Jeep und die Pickup-Trucks von Ram finden reißenden Absatz.

Fiat hingegen wird von Experten angezählt. Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer kritisierte zuletzt eine überalterte Produktpalette. «Alfa Romeo ist weiter im Sinkflug, und Lancia ist degeneriert zur Namenshülle mit US-Inhalt.» Bis 2018 sollen die Marken unter dem gemeinsamen Konzerndach in neuem Glanz erstrahlen, so hat es Fiat-Chef Marchionne als Ziel ausgegeben.

«Wunder sind möglich», sagte Marchionne Anfang Oktober auf dem Pariser Autosalon und führte die wieder aufpolierte Chrysler-Marke Jeep als Erfolgsbeispiel an. Der stets im Pullover auftretende Manager hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2018 will er FCA mit einem 48 Milliarden Euro schweren Umbauplan in Schuss bringen - dann hängt er seinen Job an den Nagel.

Mit dem Zusammenschluss der 1899 gegründeten «Fabbrica Italiana Automobili Torino», kurz Fiat, und Chrysler wandert der Hauptsitz des Konzerns aus der namensgebenden Stadt im Piemont ab. Aus steuerlichen Gründen wird das Unternehmen nach London verlegt und nach niederländischem Recht organisiert.

Sichtbar wurde der historische Schritt zu Wochenbeginn nicht nur an der New Yorker Börse, sondern auch am langjährigen Fiat-Hauptsitz in Turin-Lingotto. Dort wehen seit Montag Fahnen mit dem neuen blauen FCA-Logo, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.