FIFA-Funktionäre festgenommen - Reformpaket bewilligt

Kurz vor der mit Spannung erwarteten Reformsitzung des FIFA-Exekutivkomitees ist der Fußball-Weltverband wieder durch die Festnahme von Top-Funktionären erschüttert worden.

Sechs Monate nach der spektakulären Polizeiaktion mit sieben Festnahmen in Zürich wurden diesmal zwei Top-Offizielle im Hotel Baur au Lac von Schweizer Beamten in Polizeigewahrsam genommen. Wie das Schweizer Bundesamt für Justiz mitteilte, handelt es sich um die FIFA-Vizepräsidenten Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit Banegas aus Honduras.

Die FIFA setzte die Sitzung ihres Gremiums dennoch wie geplant in der Zentrale auf dem Zürichberg fort und bewilligte ein umfassendes Reformpaket und machte den Weg für eine Neuorganisation der Führungsspitze frei.

Am Morgen um kurz nach acht Uhr wurden die verbliebenen Exko-Mitglieder, darunter der deutsche Vertreter Wolfgang Niersbach, in Limousinen vom Baur au Lac auf den Zürichberg in die Verbandszentrale gefahren. Eine zur Abstimmung stehende revolutionäre Aufstockung der WM-Teilnehmerzahl von 32 auf 40 Teams fand dann aber noch keine Mehrheit.

«Eine Entscheidung über die Erhöhung des WM-Teilnehmerfeldes ab 2026 ist nicht getroffen worden. Es war erkennbar, dass sich besonders die asiatischen und afrikanischen Vertreter dafür einsetzten. Das Thema wurde zunächst zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben», teilte der deutsche FIFA-Vertreter Wolfgang Niersbach in einem schriftlichen Statement noch vor dem offiziellen Sitzungsende mit.

Dafür wurden andere weitreichende Entscheidungen getroffen. Präsident und die Mitglieder eines neu geschaffenen Councils dürfen maximal zwölf Jahre im Amt sein. Die Vergütung der Funktionäre wird jährlich öffentlich gemacht. Das Council mit 36 Mitgliedern tritt an die Stelle des mächtigen Exekutivkomitees und soll eine Art Aufsichtsrat bilden. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur kurz nach Sitzungsende am Donnerstag aus FIFA-Kreisen. Die letzte Entscheidung über die Reform trifft der FIFA-Kongress am 26. Februar.

Neben Napout und Hawit Bandegas fehlten bei der wegweisenden Sitzung auch der suspendierte Präsident Joseph Blatter und sein ebenfalls vorläufig ausgeschlossener Stellvertreter Michel Platini. Auch der Kolumbianer Luis Bendoya ist nach seinem Rücktritt noch nicht ersetzt, so dass nur 20 der 25 Exko-Mitglieder anwesend waren.

Napout und Hawit Bandegas seien auf Antrag der US-Justiz in Auslieferungshaft genommen worden, teilte die Schweizer Justiz mit. Ihnen werde vorgeworfen, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben. Europäischen Funktionäre sind von der erneuten Polizeiaktion nicht betroffen. Im Zuge der Korruptionsermittlungen beim Fußball-Weltverband waren auf Bitten der USA am 27. Mai in Zürich bereits sieben FIFA-Funktionäre festgenommen worden, darunter der ehemalige Vizepräsident Jeffrey Webb, der mittlerweile aus der Schweiz in die USA ausgeliefert wurde.

Die jetzt vorgenommenen Festnahmen erfolgten laut Schweizer Justiz aufgrund von Ersuchen des US-Justizministeriums vom 29. November. Nach Angaben der New Yorker Staatsanwaltschaft haben auch diese zwei «hochrangigen» FIFA-Funktionäre «Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten».

Diese Straftaten seien «teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden», heißt es in der Schweizer Mitteilung. Die Namen der Festgenommenen wurden zunächst nicht offiziell genannt. Die FIFA hatte nach eigenen Angaben «Kenntnis von den Aktionen, die heute vom US-Justizministerium durchgeführt wurden», wie es in einer schriftlichen Stellungnahme hieß.

Die Polizei habe das Hotel um 6.00 Uhr am Morgen durch einen Seiteneingang betreten, berichtete die «New York Times» (Donnerstag/Online). Nach Augenzeugenberichten wurden um kurz nach 6.00 Uhr mehrere Personen mit einer Limousine aus der Tiefgarage des Hotels gefahren.

Zwei der sieben ehemaligen FIFA-Funktionäre, die am 27. Mai in Zürich verhaftet worden waren, haben nach Angaben der Schweizer Justiz der Auslieferung zugestimmt. Webb und José Maria Marin wurden am 15. Juli beziehungsweise am 3. November den US-Behörden übergeben.

Die anderen fünf Ex-Funktionäre, Eugenio Figueredo, Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas und Rafael Esquivel, widersetzen sich einer Auslieferung. Ihre Beschwerden gegen die Auslieferungsentscheide sind beim Schweizer Bundesstrafgericht anhängig.