FIFA und UEFA vor personeller Zäsur

FIFA-Chef Joseph Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini sind von der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes für acht Jahre gesperrt worden.

FIFA und UEFA vor personeller Zäsur
Patrick B. Kraemer FIFA und UEFA vor personeller Zäsur

Die beiden mächtigsten Männer im Weltfußball wollen juristisch gegen das praktisch besiegelte Ende ihrer sportpolitischen Karrieren vorgehen. Doch die Verbände stehen vor einer historischen personellen Zäsur.

Für die Zwei-Millionen-Franken-Zahlung von Blatter an Platini aus dem Jahr 2011 habe es «keine rechtliche Grundlage» gegeben, urteilte die Ethikkommission unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert. Der Vorwurf der Bestechung und Korruption wurde fallengelassen. Blatter und Platini haben aber laut rechtsprechender Kammer des Gremiums gegen vier Artikel des Ethikreglements verstoßen (Allgemeine Verhaltensregeln, Loyalität, Interessenskonflikte, Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen).

Beide Funktionäre hatten bereits zuvor für den Fall einer weiteren Sperre Einsprüche angekündigt. Blatter erklärte unmittelbar nach der Urteilsverkündung, sowohl beim Berufungskomitee der FIFA als auch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch einzulegen. «Ich werde kämpfen, für mich, für die FIFA», sagte der 79-Jährige und bezeichnete den Zwei-Millionen-Deal mit Platini nach Schweizer Recht als völlig sauber. Auch ein Einspruch bei zivilen Schweizer Gerichten ist nach Auffassung der Blatter-Anwälte möglich.

Auf den ersten Blick scheint die nähere Zukunft bei der FIFA klarer als beim europäischen Verband UEFA. Als Interimspräsident fungiert momentan der Kameruner Issa Hayatou. Für den 26. Februar 2016 ist in Zürich ein FIFA-Kongress mit der Wahl eines neuen Präsidenten angesetzt. Aktuell gibt es fünf Kandidaten:

- Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa, Chef der asiatischen Fußball-Konföderation AFC aus Bahrain

- Gianni Infantino, UEFA-Generalsekretär

- Tokyo Sexwale, früherer Mit-Gefangener von Nelson Mandela

- Jérôme Champagne, früherer stellvertretender FIFA-Generalsekretär

- Prinz Ali bin al-Hussein, Verbandspräsident Jordaniens und Ex-Herausforderer von Blatter bei dessen Wiederwahl im Mai

Als Favoriten gelten Al Chalifa und Infantino. Auf dem Kongress haben alle 209 Mitgliedsverbände je eine Stimme. Die Verbände verteilen sich auf die sechs Konföderationen wie folgt: Afrika 54, Asien 46, Europa 53, Nord- und Mittelamerika 35, Ozeanien 11, Südamerika 10. Platini wird nun juristisch darum kämpfen, doch noch zur Wahl zugelassen zu werden. Bleibt Blatter gesperrt, darf er auch nicht den Kongress und die Wahl seines Nachfolgers leiten.

Nach der Suspendierung Platinis für 90 Tage verzichtete die UEFA auf die Bestellung eines Interimschefs. Der europäische Verband tat einfach so, als sei Platini noch im Amt und führte ihn auch auf der Homepage weiter als Präsidenten. Als Pro-Forma-Vertreter trat der Spanier Angel Maria Villar Llona auf. Lange Zeit galt Wolfgang Niersbach als UEFA-Chef der Zukunft, doch der Platini-Freund musste im Zuge des Skandals um die WM 2006 seinen Posten beim DFB räumen. Der UEFA stehen nun unruhige Umbauzeiten bevor. Gut möglich, dass der bisherige Generalsekretär Gianni Infantino bei einer Niederlage bei der FIFA-Wahl zum Präsidenten am Genfer See in Nyon aufsteigt. Am Montag äußerte sich die UEFA «extrem enttäuscht» über das Urteil und sicherte Platini ihre Unterstützung zu.