FIFA-Wahlkampf nimmt Fahrt auf: Weitere Bewerber möglich

Kaum hatte der Wahlkampf um den Chefposten bei der FIFA durch die Bewerbung des Niederländers Michael van Praag noch einmal Fahrt aufgenommen, avisierte Wolfgang Niersbach einen weiteren Herausforderer für Amtsinhaber Joseph Blatter.

«Es ist nicht auszuschließen, dass es noch einen weiteren Kandidaten geben wird, dessen Name bis jetzt noch gar nicht gefallen ist», erklärte der Boss des Deutschen Fußball-Bundes beim feierlichen Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Frankfurter Thurn und Taxis Palais.

Mit dem 67 Jahre alten van Praag erhöhte sich die Zahl der möglichen Blatter-Herausforderer bei der Wahl des Weltverbandspräsidenten auf dem FIFA-Kongress am 29. Mai in Zürich auf fünf. «Ich kann über ihn nur Gutes erzählen. Er ist eine absolut integre Persönlichkeit mit einer hohen Glaubwürdigkeit», sagte Niersbach und fügte hinzu: «Mit van Praag haben wir jemanden, der nur für vier Jahre antritt und seine Aufgabe darin sieht, das Image in der Öffentlichkeit wieder herzustellen. Er spielt mit offenen Karten.»

Der Chef des Niederländischen Fußball-Verbandes (KNVB) verfüge auch über die für eine Kandidatur erforderlichen Unterstützungsschreiben von fünf Verbänden. «Ich kenne die Nationen, die ihm diesen notwendigen Brief gegeben haben», betonte Niersbach. Der DFB selbst gehört nicht dazu und will sich erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist an diesem Donnerstag um Mitternacht positionieren. «Erst danach wird man sagen können, wie stellt man sich richtig auf», erklärte Niersbach.

«Es ist höchste Zeit, dass die Organisation sich normalisiert und wieder völlig im Zeichen des Fußballs steht. Ich habe eine Zeit lang gehofft, dass ein glaubwürdiger Gegenkandidat kommen würde, aber das ist schlicht nicht passiert», hatte van Praag am Montagabend nach der Sitzung der UEFA-Exekutive in Genf seine Bewerbung begründet. Sein Programm will er an diesem Mittwoch in Amsterdam vorstellen.

Ihren Hut in den Ring werfen wollen auch van Praags Landsmann Mino Raiola, die beiden Franzosen Jérôme Champagne und David Ginola sowie Ali Bin Al Hussein aus Jordanien. «Ich habe Prinz Ali in Genf bei einem Abendessen persönlich kennengelernt. Auch er ist ein sehr seriös und ernsthaft wirkender Kandidat», berichtete Niersbach. Der DFB-Boss selbst kandidiert für die FIFA-Exekutive, wo er Theo Zwanziger als deutsches Mitglied ablösen würde.

Dass es außer Blatter noch andere Anwärter auf den FIFA-Thron geben wird, ist ganz nach dem Geschmack von Niersbach. «Das finde ich gut», betonte er. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert warnte dagegen: «Offensichtlich ist es sehr schwierig, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Nur wenn es einen Kandidaten gibt, kann man berechtigterweise davon ausgehen, dass der auch eine Chance hat.»

Immerhin hält auch er van Praag für geeignet, die in den vergangenen Jahren durch etliche Skandale erschütterte FIFA wieder auf Kurs zu bringen. «Er ist jemand, der die europäischen Interessen vertreten kann, aber gleichzeitig das Große und Ganze im Blick behält. Insofern begrüße ich diese Kandidatur», sagte Seifert. Ähnlich äußerte sich Ligapräsident Reinhard Rauball. «Ich freue mich, dass sich die UEFA endlich auf einen Kandidaten geeinigt hat.»

Ob van Praag mit der Rückendeckung aller stimmberechtigten 53 UEFA-Mitgliedsverbände auf dem FIFA-Kongress rechnen kann, ist jedoch ungewiss. «Ob es eine klare Empfehlung gibt, muss man abwarten», räumte Niersbach ein. Er wünscht sich vor allem, «dass es keinen schmutzigen Wahlkampf geben wird. Das hatten wir 2002, als damals Sepp Blatter in Seoul vor der WM gegen Issa Hayatou angetreten ist. Diese Auseinandersetzung war ein Frevel.»