Finale im Slalom-Duell - «Felix der Favorit»

Auf markige Sprüche vor dem entscheidenden Duell um die Slalom-Kugel verzichtet Felix Neureuther. Nach der verpassten ersten Chance in Kranjska Gora will sich der 30-Jährige «nicht von Nebengeräuschen durcheinanderbringen lassen». Dann werde es «schwer für die anderen».

Finale im Slalom-Duell - «Felix der Favorit»
Stephan Jansen Finale im Slalom-Duell - «Felix der Favorit»

Bester Slalom-Fahrer der Welt - am Sonntag kann sich Neureuther diesen Traum seiner Kindheit erfüllen und eine lange Durststrecke des Deutschen Skiverbandes (DSV) im Herrenbereich beenden. Seit 25 Jahren gab es keinen Sieg mehr in einem alpinen Disziplinweltcup. «Die Kugel ist der wichtigste Auftrag für das Finale», betonte DSV-Alpinchef Wolfgang Maier.

55 Punkte Vorsprung hat Neureuther auf seinen Verfolger Marcel Hirscher vor dem letzten Weltcup-Slalom des WM-Winters. Wird der zweimalige WM-Medaillengewinner im französischen Méribel mindestens Vierter, hat er die Disziplinwertung vor Hirscher gewonnen.

Die Rechenspiele will Maier aber am liebsten vermeiden. «Wenn du die Kugel gewinnen willst, dann musst du es aus eigener Kraft schaffen», sagte er. Hirscher «bleibt einfach ein extrem hartnäckiger Gegner, den man nur abschütteln kann, wenn man ihn aus eigener Kraft schlägt», meinte der Alpinchef. «Wenn man sich auf andere verlassen muss, das geht meistens in die Hose. Im Endeffekt kannst du ihn nur selber besiegen.»

Im Riesenslalom hat Hirscher die Wertung bereits vorzeitig für sich entschieden. Neben den nun drei Kugeln in dieser Disziplin gewann der 26-Jährige in den vergangenen Jahren zudem schon zweimal die Trophäen im Slalom und holte dreimal den Gesamtweltcup. Auch in diesem Jahr steht er kurz vor dem Gesamtsieg. «Der muss nicht, der kann nur. Das ist für den Hirscher ein psychologischer Vorteil», sagte Maier.

Österreichs Ski-Star inszeniert sich allerdings als Außenseiter. «Der Felix hat einen sehr guten Vorsprung, ein Punktepolster. Deshalb ist der Felix der Favorit», kommentierte Hirscher.

Während Maria Höfl-Riesch in ihrer Abschlusssaison vergangenen Winter noch die Abfahrtskugel gewann, wartet der DSV bei den Herren seit 1990 auf einen Sieg in einer Weltcup-Gesamtwertung. Damals gewann Armin Bittner zum zweiten Mal nacheinander im Slalom. 1986 war Markus Wasmeier der beste Super-G-Fahrer im Weltcup.

Noch vor einem halben Jahr plagte sich Neureuther mit Rückenbeschwerden und musste auf viele Einheiten in der Saisonvorbereitung verzichten. Nun kann er der erst dritte deutsche Herr werden, der eine Kugel gewinnt. Mit Drucksituationen umgehen kann der sympathische Bayer inzwischen gut; im Beenden einer Durststrecken hat der mit elf Siegen erfolgreichste deutsche Skirennfahrer der Weltcup-Geschichte auch so seine Erfahrung.

Sein Premieren-Sieg im Weltcup 2010 in Kitzbühel war der erste deutsche Slalom-Erfolg nach fünf Jahren. WM-Silber im Torlauf von Schladming 2013 war die erste deutsche Herren-Einzelmedaille nach zwölf Jahren. Auf einen Erfolg im Riesenslalom musste der DSV gar 41 Jahre warten - bis Neureuther im Januar 2014 in Adelboden gewann. Kampfansagen gab es auch vor diesen Rennen nie. Neureuther weiß, was er kann.