Finanzmärkte eilen nach EZB-Beschluss von Rekord zu Rekord

Die Anleger feiern immer noch die angekündigte neue Geldflut der EZB. Zugleich hält die Debatte um den Nutzen und die Gefahren des historischen Schrittes an. Kritik kommt weiter vor allem aus Deutschland, wo auch am lautesten weitere Reformen in den Euroländern angemahnt werden.

Der deutsche Börsen-Leitindex Dax riss am Freitag gleich mehrere runde Rekordmarken: 10 500, 10 600, 10 700 Punkte. Auch andere Börsen zogen kräftig an. Am Ende lag der Dax mit gut zwei Prozent im Plus bei 10 649,58 Punkten.

Am Markt für Staatsanleihen griffen die Investoren ebenfalls eifrig zu. Gefragt war die ganze Palette von Anleihen aus Griechenland, Slowenien und Portugal, aber auch aus Spanien und Italien, Deutschland und Frankreich. Der Euro setzte seine Talfahrt fort und fiel zeitweise bis auf fast 1,11 Dollar zurück. So tief lag er seit mehr als elf Jahren nicht mehr.

Bundesbank-Präsident Weidmann bekräftigte seine kritische Haltung zu massiven Käufen von Staatsanleihen durch die EZB. Der «Bild»-Zeitung (Samstag) sagte er: «Das birgt das Risiko, dass solides Haushalten vernachlässigt wird. Und es könnte der politische Druck auf uns steigen, die Zinslast der Finanzminister dauerhaft niedrig zu halten», sagte Weidmann. Faktisch würden die Notenbanken zu den größten Gläubigern der Eurostaaten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag entschieden, mehr als eine Billion Euro in Staats- und Unternehmensanleihen zu stecken. Das Kaufprogramm soll in diesem März beginnen und mindestens bis September 2016 laufen. Ziel ist, die Konjunktur im Euroraum anzuschieben und dadurch auch die zuletzt gefährlich niedrige Inflation wieder nach oben zu treiben. Weidmann, der Deutschland im 25-köpfigen EZB-Rat vertritt, hatte sich stets gegen breit angelegte Staatsanleihenkäufe ausgesprochen.

Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron sprach dagegen von einem wichtigen und mutigen Schritt. «An uns ist es, uns dem gewachsen zu zeigen», sagte Macron in Paris mit Blick auf die europäischen Regierungen. Diese müssten jetzt ihren Teil der Aufgaben erfüllen, indem sie Reformen anpackten und investierten, wo dies notwendig sei.

Macrons deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble (CDU) rief auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos neben Griechenland auch Länder wie Italien und Frankreich zu weiteren Reformen auf. Die EZB-Entscheidung dürfe nicht missverstanden werden, dass Änderungen nun aufgeschoben werden könnten. Zugleich verteidigte er den deutschen Sparkurs. «Wenn wir die Euro-Skepsis in der Bevölkerung bekämpfen wollen, dann müssen wir uns an die Stabilitätsregeln halten.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi forderten, dass die Euro-Krisenländer eingeleitete Reformen strikt fortsetzen müssten. Deutschland - das derzeit keine neuen Schulden macht - und Italien mit seinen massiven Geldsorgen bewerten die Beschlüsse der EUB unterschiedlich, wie beide Regierungschefs in Florenz deutlich machten. Während sich Renzi von dem EZB-Entscheid begeistert zeigte, wollte Merkel keinen Kommentar abgeben. Sie sagte aber, nun müssten Hürden für Wachstum noch klarer eingerissen werden. Renzi verwies auch auf das geplante Programm der EU-Kommission für Investitionsanreize. Er betonte aber: «Italien muss jetzt den Turbolader einschalten für weitere Reformen.»