Finanzprobleme: Nach Caterham auch Marussia insolvent

Auf der Zielgeraden der Saison steuern zwei Formel-1-Teams auf einen Totalschaden zu. Nach Caterham hat auch Marussia ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Damit werden die beiden chronisch erfolglosen und finanzschwachen Rennställe nicht am nächsten Grand Prix in den USA teilnehmen. In Texas sind am Sonntag somit erstmals seit dem Monaco-Lauf 2005 nur 18 Wagen am Start. Die Ausfälle der beiden insolventen Teams kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für die Formel 1. Der Markt in den USA ist für die Königsklasse schon seit Jahren äußerst schwierig.

Ob Marussia bei den letzten beiden Saisonrennen in Brasilien und Abu Dhabi antreten kann, ist offen. Dies «wird davon abhängen, wie das Insolvenzverfahren und die damit verbundenen Verhandlungen mit interessierten Parteien ausgehen», schrieb am Montag der Insolvenzverwalter des britisch-russischen Rennstalls. Die Möglichkeiten seien insgesamt «sehr begrenzt».

Da der derzeitige Anteilseigner nicht die nötigen Mittel auftreiben konnte, habe das Team-Management des WM-Neunten versucht, frisches Geld zu beschaffen, um die Zukunft des Rennstalls auf lange Sicht zu sichern. Dies sei «bedauerlicherweise» nicht gelungen. «Daher blieb ihnen nichts weiteres übrig, als das Insolvenzverfahren zu eröffnen.»

Die Beispiele Marussia und Caterham zeigen, dass die vermeintliche Glamourserie Formel 1 für wenig zahlungskräftige Teams längst zu einem hochriskanten Wagnis geworden ist. Nicht mal die Hälfte der insgesamt elf Rennställe darf als finanziell gesund gelten. Teams wie Lotus, Sauber und Force India sind von Bezahlfahrern abhängig.

«Die größte Baustelle in der Formel 1 sind die hohen Kosten. Wir müssen sie reduzieren», hatte Weltverbandschef Jean Todt dem Fachmagazin «Auto, Motor und Sport» in einem Interview am Rande des Großen Preis von Bahrain im April gesagt. Eine Kostenbremse gibt es aber bis heute nicht.

Marussia beschäftigt fast 200 Mitarbeiter. Darunter sind auch die Stammpiloten Max Chilton aus England und der Anfang Oktober bei einem Unfall in Japan schwer verunglückte Franzose Jules Bianchi. Es habe jedoch keine Kündigungen seit Einleitung des Insolvenzverfahrens gegeben, schrieb der Insolvenzverwalter. Die Mitarbeiter seien bis Ende Oktober noch bezahlt worden.

Für Marussia könnte sich aber ein Ausweg aus der Misere andeuten. Einem Bericht des «Telegraph» zufolge soll ein britisch-indisches Brüderpaar aus der Stahlindustrie Interesse an dem Rennstall haben. «Wir stehen kurz vor einem Abschluss», zitierte die englische Zeitung einen der beiden möglichen Geldgeber, Baljinder Sohi. «Der Preis muss aber stimmen.» Der aktuelle Teambesitzer Andrej Scheglakow soll einem Verkauf nicht abgeneigt sein. Die «Daily Mail» schrieb, dass Manor Grand Prix Racing, die Firma hinter Marussia, Anfang Oktober wegen eines Insolvenzverfahrens beim Londoner High Court angefragt habe.

Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone hatte bereits am Wochenende angekündigt, dass die finanziell in Notlage geratenen Teams Caterham und Marussia nicht nach Texas reisen würden. Die Investoren von Caterham, zusammen mit Sauber punktloser Letzter der Konstrukteurswertung, hatten schon in der vergangenen Woche das Management an einen Insolvenzverwalter übergeben.

Vermutlich werden Caterham und Marussia auch den vorletzten Lauf eine Woche nach den USA in Brasilien verpassen, weil das Material direkt von Austin nach Sao Paulo transportiert wird. Erst zum Saisonfinale am 23. November in Abu Dhabi könnte das Starterfeld wieder komplett sein.