Finanzprobleme: Schwimm-WM 2017 in Mexiko abgesagt

Stadt (dpa) - Die Schwimm-Weltmeisterschaften 2017 findet aus Kostengründen nicht in Mexiko statt. Nach den jüngsten Kürzungen im Bundeshaushalt stünden nicht genügend Mittel zu Verfügung, um die WM in der Stadt Guadalajara auszurichten, teilte die mexikanische Sportkommission mit.

Finanzprobleme: Schwimm-WM 2017 in Mexiko abgesagt
Sebastian Kahnert Finanzprobleme: Schwimm-WM 2017 in Mexiko abgesagt

Insgesamt seien Investitionen von 100 Millionen US-Dollar (88 Millionen Euro) nötig.

«Nach der Revision des Budgets haben wir uns entschieden, der FINA mitzuteilen, dass wir die Weltmeisterschaft nicht ausrichten können», sagte der Direktor der Sportkommission, Jesús Mena Campos. Wegen der schleppenden Konjunktur und des niedrigen Ölpreises hatte das mexikanische Finanzministerium Ende Januar ein Sparpaket in Höhe von 124,3 Milliarden Pesos (7,4 Mrd Euro) aufgelegt. Der Staat müsse nun fünf Millionen Dollar Strafe zahlen, um wegen der Absage nicht noch mit weitergehenden Forderungen konfrontiert zu werden, hieß es in der Mitteilung der Sportkommission weiter.

Der Präsident des Schwimm-Weltverbandes FINA, Julio Maglione, bedauerte die Entscheidung. Die kurzfristige Absage stelle den Verband zudem vor organisatorischen Problemen. «Jetzt haben wir nur noch zwei Jahre Zeit, um einen neuen Austragungsort zu suchen. Normalerweise haben wir dafür vier bis sechs Jahre. Das ist schmerzhaft für uns», sagte der Uruguayer der Deutschen Presse-Agentur.

Mexiko verliere ein wichtiges Sportevent. Den Verweis auf die finanziellen Probleme des Landes könne er nicht nachvollziehen, sagte Maglione. «Diese Veranstaltungen bringen das Dreifache der Investitionen ein.» Wo die vom 15. bis 30. Juli 2017 geplante Schwimm-WM nun stattfinden wird, ist offen. Im Juli ist das russische Kasan WM-Ort für Beckenschwimmer, Wasserspringer, Freiwasserschwimmer und der Synchronschwimmerinnen.

Bereits die WM 2013 fand aus finanziellen Gründen nicht am ursprünglichen WM-Ort statt. Dubai hatte sich 2009 unter anderem gegen Hamburg durchgesetzt, gab dann aber die WM zurück - Barcelona sprang ein. Auch Südkoreas Metropole Kwangju als Ausrichter 2019 hat Finanzprobleme, nachdem der asiatische Staat von voreilig versprochenen Zusagen nichts wissen wollte. Ob Budapest als Ausrichter 2021 umfangreiche Neubauten bereits 2017 fertig hat, darf bezweifelt werden.

Also dürfte die FINA für jeden Bewerber dankbar sein, der ihr aus der Patsche hilft. Der Deutsche Schwimm-Verband hält sich noch bedeckt. «Ich bin immer für den Sport und dafür, dass wir Top-Events ausrichten», sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel der Deutschen Presse-Agentur, schränkte jedoch gleichzeitig ein: «Aber das ist alles mit Parametern der finanziellen Möglichkeiten verbunden.»

Berlin war Ausrichter der Europameisterschaften 2014. Hamburg und die Hauptstadt konkurrieren derzeit darum, wer deutscher Bewerber für die Olympischen Spiele 2024 werden soll. Die Entscheidung darüber fällt am 21. März. «Es hat sich immer schon gezeigt, dass große und gut ausgerichtete Events vorher nicht von Nachteil sind», bemerkte Thiel mit Blick auf die Olympia-Vergabe im Sommer 2017 und betonte: «Ich sehe uns sicherlich organisatorisch in der Lage, eine WM auszurichten, das weiß man spätestens nach der EM wieder.»