Flucht nach Deutschland in der Kälte: «Koste es, was es wolle»

Das Thermometer sinkt im steirischen Örtchen Spielfeld an der slowenischen Grenze nachts derzeit fast auf den Gefrierpunkt ab.

Flucht nach Deutschland in der Kälte: «Koste es, was es wolle»
Antonio Bat Flucht nach Deutschland in der Kälte: «Koste es, was es wolle»

Kleine Kinder sind in Decken eingehüllt. Ihre Eltern verbrennen ihre Habseligkeiten und leere Wasserflaschen, um sich am Lagerfeuer zu wärmen. In ein beheiztes Zelt gehen in dieser Nacht dennoch längst nicht alle der 3000 Flüchtlinge - aus Angst, ihren Platz in der Warteschlange für den Weitertransport zu verlieren. Denn für viele ist die Flucht erst in Deutschland vorbei. 

Lange Zeit war Nickelsdorf im Burgenland der Brennpunkt Österreichs in der Flüchtlingskrise. Doch seit Ungarn seine Gesetze verschärft hat, spitzt sich die Lage im Süden zu. In Spielfeld in der Steiermark kommen jeden Tag Tausende Menschen zu Fuß aus Slowenien an. Bis Samstagabend erwartete die Polizei erneut bis zu 7000 Flüchtlinge.

Immer wieder eskaliert die Situation und Menschen brechen nach längerer Wartezeit einfach Barrikaden nieder. Denn die Notquartiere sind voll. Nur mühsam finden sich jeden Tag neue Unterkünfte. «Man kann keine fixen Absperrungen errichten, sonst würde es Tote geben. Die wartenden Menschen vorne würden von hinten erdrückt werden», schildert August Bäck, Pressesprecher des steirischen Roten Kreuz, die Lage.

Viele versuchen auf eigene Faust nach Deutschland zu gelangen. Mit Taxis, öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß wollen sie ihr Traumland erreichen. «Die Menschen sind wie programmiert und wollen nach Deutschland. Koste es, was es wolle», so Bäck.

Am Freitag musste eine Bundesstraße gesperrt werden, weil sich Hunderte Flüchtlinge auf den Weg gemacht hatten. Auch Zugverbindungen mussten schon eingestellt werden, weil die Fliehenden auf den Bahngleisen gingen. Der Großteil stieg dann später doch in Busse des Bundesheers ein, weil der mehr als 300 Kilometer lange Weg an die deutsche Grenze für viele entkräftete Menschen einfach zu lange war.

Die rund 5000 Einwohner der kleinen steirischen Gemeinde Straß-Spielfeld sind nach den Worten von Bürgermeister Reinhold Höflechner wegen der Ausnahmesituation vor ihrer Haustür äußerst beunruhigt. «Den Leuten ist nicht wohl dabei, wenn sie so eine große Zahl an fremdländischen Menschen mit fremder Sprache sehen», sagt der konservative Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Niemand wisse, wie es nun weitergehen werde. «Unsere Leute haben die Zukunftsperspektive verloren», meint Höflechner.

Kurzfristig sollte Österreich nach Ansicht des Bürgermeisters nur so viele Menschen ins Land lassen, wie Deutschland auch aufnimmt. So könne der Rückstau in Österreich minimiert werden. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hatte schon am Donnerstag in Spielfeld den Bau einer «Festung Europa» gefordert. Oberösterreichs Landeshauptmann (Ministerpräsident) Josef Pühringer (ÖVP) legte am Samstag im österreichischen Rundfunk (ORF) nach. Er könne sich «als allerletztes Mittel» auch Grenzzäune rund um Österreich vorstellen, sollte Deutschland keine Flüchtlinge mehr aufnehmen.