Flüchtlingsheime bleiben Ziel von Anschlägen

Die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen kein Ende. Am Wochenende kam es erneut an verschiedenen Orten zu Randale und teils gewalttätigen Protesten gegen Asylbewerber.

Nach Angaben von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat es in diesem Jahr bislang 22 Brandanschläge auf Asylbewerberheime gegeben.

In der Nacht zum Samstag versuchten im sächsischen Niederau vor einer noch leeren Flüchtlingsunterkunft laut Polizei rund 20 teils angetrunkene Demonstranten, einen Bauzaun um das Gelände umzustoßen. Das sei ihnen aber nicht gelungen. Schon am Abend hatten sich etwa 200 Gegner des Heims, darunter auch offenkundig Rechtsradikale, eingefunden. Helfer, die Feldbetten aufbauten, wurden beschimpft, eine Zufahrt zu dem Gelände zwischenzeitlich mit Autos blockiert.

Die ersten zwei Busse mit rund 100 Flüchtlingen kamen am Samstagabend unter massivem Polizeischutz an. Ein Bus stellte die Bundeswehr, und etwa 20 Soldaten begleiteten die Neuankömmlinge zur Betreuung ins Heim.

Der Bürgermeister von Niederau, Steffen Sang (parteilos), hatte bereits vor Tagen Befürchtungen geäußert, dass es in dem 1800-Einwohner-Ort zu rechten Krawallen wie Ende August im nur wenige Kilometer entfernten Heidenau kommen könnte.

Auch in Bremen wurde eine noch unbewohnte Unterkunft Ziel eines Anschlags. Am Samstagvormittag versuchten Unbekannte, ein Flüchtlingszelt von außen mit Brandbeschleunigern zu entzünden. Wahrscheinlich ging das Feuer von alleine aus. Nach Angaben der Polizei sollen Mitte Oktober Flüchtlinge in die Zeltunterkunft einziehen. Der bei dem Anschlag entstandene Schaden stehe dem nicht entgegen.

Bereits am Freitagabend demonstrierten in Mecklenburg-Vorpommern an mehreren Orten nach Angaben der Polizei über 1000 Menschen gegen die Flüchtlingspolitik. Die Proteste wurden meist von rechten Gruppen organisiert. Bei der größten Kundgebung in Stralsund wurden bei Auseinandersetzungen mit linken Gruppen drei Menschen leicht verletzt.

Den Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zufolge werden die Anschläge in den meisten Fällen von Tätern aus der Gegend verübt. Hinweise auf Strukturen, die diese Übergriffe organisieren, habe der Verfassungsschutz bisher allerdings nicht, sagte Maaßen am Sonntag im Deutschlandfunk.