Flugbegleiter bei Lufthansa verschärfen Streik

Bei der Lufthansa haben die Flugbegleiter der Lufthansa ihren Streik verschärft. Erstmals wurde neben Frankfurt und Düsseldorf nun auch das zweitgrößte Drehkreuz München bestreikt.

Lufthansa hatte nach eigenen Angaben 929 Flüge abgesagt, wovon rund 113 000 Passagiere betroffen seien. Das ist gut die Hälfte des normalen Flugprogramms der Kerngesellschaft Lufthansa.

Ein schnelles Ende des längsten Streiks in der Geschichte der Lufthansa war nicht absehbar. Die Gewerkschaft Ufo wollte im Laufe des Tages mitteilen, wie der Arbeitskampf weitergeht. «Unsere Gäste müssen bis inklusive Freitag davon ausgehen, dass ihr Flug mit Lufthansa ausfällt», wiederholte der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies in Frankfurt die generelle Streikdrohung. Die Gewerkschaft werde nur mitteilen, wo gegebenenfalls Flüge stattfinden könnten.

Der Vorstand des Dax-Konzerns beriet in einer Krisensitzung das weitere Vorgehen, über das am Abend berichtet werden sollte. Nähere Einzelheiten gab das Unternehmen zunächst nicht bekannt. Er rechne angesichts des Tonfalls der Ankündigung nicht mit einem neuen Angebot, sondern eher mit neuen Drohungen etwa zu Auslagerungen von Jets, erklärte Baublies. Man warte die Erklärung ab und werde dann entsprechend reagieren.

Lufthansa hat in Deutschland nur in Frankfurt, München und Düsseldorf Crews stationiert, so dass ein Vollstreik erreicht wurde. Bei Starts aus dem Ausland dürfen die Flugbegleiter nicht streiken. «Von den Flügen, die wir bestreiken können, fallen nach unserem Eindruck fast alle aus», erklärte Baublies.

Das Unternehmen nennt hingegen als Bezugsgröße für das Ausmaß des Streiks stets die Zahl von 3000 täglichen Flügen in der Lufthansa-Gruppe, von denen noch rund zwei Drittel stattfinden sollten. Flüge der Group Airlines Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Germanwings, Lufthansa CityLine und Swiss sind vom Streik bei der Kerngesellschaft nicht betroffen. Sie führen auch ihre Flüge von und nach Frankfurt, Düsseldorf und München wie gewohnt durch, teilweise auch unter Lufthansa-Flugnummern.

Von den Langstrecken-Flügen fielen bis auf einen von Frankfurt nach Tampa (USA) sowie zwei von München nach Newark (USA) und Schanghai (China) alle aus. Seit Streikbeginn am Freitag addiert sich die Zahl der ausgefallenen Lufthansa-Flüge bereits auf mehr als 1700. An den Transitschaltern bildeten sich beispielsweise in Frankfurt lange Schlangen. Im Terminal übernachten mussten der Betreibergesellschaft Fraport zufolge nur rund 50 Passagiere.

München ist nach Frankfurt das wichtigste Drehkreuz der Fluggesellschaft, hier sind 5000 der 19 000 Lufthansa-Flugbegleiter stationiert. Der Airport war zunächst wegen des Endes der Herbstferien in Bayern verschont worden. Am Montag sollte dort um 17.00 Uhr eine Demonstration der Streikenden stattfinden.

Die Tarifverhandlungen für die Stewardessen und Stewards der Lufthansa ziehen sich bereits seit zwei Jahren hin. Strittig sind vor allem die komplexen Regelungen zu Betriebs- und Übergangsrenten von rund 19 000 Flugbegleitern. Der erste Ausstand der Flugbegleiter in der aktuellen Tarifrunde soll bis einschließlich Freitag fortgesetzt werden. Die Piloten der Lufthansa haben schon 13 Mal gestreikt.