Flugbegleiter setzen Lufthansa weiter unter Druck

Im längsten Streik in der Lufthansa-Geschichte zeichnet sich weiterhin keine Lösung ab. Er rechne nicht mit einem neuen Angebot, sondern eher mit neuen Drohungen etwa zu Auslagerungen von Jets, betonte der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies.

Nach einem flächendeckenden Streik der Flugbegleiter für alle Flugzeugtypen am Montag hat die Gewerkschaft Ufo für diesen Dienstag zu einem etwas abgeschwächten Arbeitskampf aufgerufen.

An den zentralen Drehscheiben München und Frankfurt sollen nur die Langstreckenflieger bestreikt werden, wie mitgeteilt wurde. In Düsseldorf bleibt es wie in den Tagen zuvor dabei, dass der Arbeitskampf auch Kurz- und Mittelstrecken einschließt.

Am Dienstag könnten nahezu alle geplanten innerdeutschen und innereuropäischen Flüge stattfinden, teilte das Unternehmen mit. Mögliche Langstreckenflüge sollten am Abend auf der Konzern-Webseite veröffentlicht werden. Zudem wollte sich der Lufthansa-Vorstand nach seiner Krisensitzung an die streikenden Mitarbeiter wenden.

Nähere Einzelheiten gab das Unternehmen zunächst nicht bekannt. In einem Video auf einer internen Plattform hatte Vorstandsmitglied Karl Ulrich Garnadt erklärt: «Nach so einer massiven Streikdrohung können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und müssen uns ernsthaft mit weiteren Programmstreichungen bei der Passage beschäftigen.»

Ufo-Chef Baublies betonte, bei erneuten Drohungen sei eine Verschärfung des Streikprogramms möglich. Er hielt der Unternehmensleitung «Angstschürerei» vor, die nur zu einer noch entschlosseneren Haltung des Personals führe. «Ich habe den Eindruck, der Bogen der Angstmacherei wurde überspannt und könnte jetzt in Wut umschlagen.»

Am Montag wurde neben Frankfurt und Düsseldorf erstmals auch das zweitgrößte Drehkreuz München bestreikt, das zunächst noch wegen des Schulferienendes geschont worden war. Dort war am Abend eine Demonstration der Stewards und Stewardessen geplant. Lufthansa hatte nach eigenen Angaben für Montag 929 Flüge abgesagt, wovon rund 113 000 Passagiere betroffen seien. Das ist gut die Hälfte des normalen Flugprogramms der Kerngesellschaft Lufthansa.

Lufthansa hat in Deutschland nur in Frankfurt, München und Düsseldorf Crews stationiert, so dass erstmals ein Vollstreik erreicht wurde. Bei Starts aus dem Ausland dürfen die Flugbegleiter nicht streiken. «Von den Flügen, die wir bestreiken können, fallen nach unserem Eindruck fast alle aus», meinte Baublies.

Das Unternehmen nennt hingegen als Bezugsgröße für das Ausmaß des Streiks stets die Zahl von 3000 täglichen Flügen in der Lufthansa-Gruppe, von denen am Montag noch rund zwei Drittel stattfinden konnten. Flüge der Group Airlines Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Germanwings, Lufthansa CityLine und Swiss sind vom Streik bei der Kerngesellschaft nicht betroffen. Sie führen auch ihre Flüge von und nach Frankfurt, Düsseldorf und München wie gewohnt durch, teilweise mit Lufthansa-Flugnummern. Die Lufthansa-Mutter fliegt täglich etwa 1800 Verbindungen.

Die Tarifverhandlungen für die Stewardessen und Stewards der Lufthansa ziehen sich bereits seit zwei Jahren hin. Strittig sind vor allem die komplexen Regelungen zu Betriebs- und Übergangsrenten von rund 19 000 Flugbegleitern. Die Piloten der Lufthansa haben zuvor schon 13 Mal gestreikt. Auch bei ihnen geht es unter anderem um die Übergangsrenten.

Ein schnelles Ende des längsten Streiks in der Geschichte der Lufthansa war am Montag nicht absehbar. «Unsere Gäste müssen bis inklusive Freitag davon ausgehen, dass ihr Flug mit Lufthansa ausfällt», wiederholte Ufo-Chef Baublies die generelle Streikdrohung. Seit Streikbeginn am Freitag addierte sich die Zahl der ausgefallenen Lufthansa-Flüge bereits auf mehr als 1700 mit knapp 210 000 betroffenen Passagieren.

An den Umbuchungsschaltern bildeten sich beispielsweise in Frankfurt lange Schlangen. In der Nacht zum Montag mussten im Terminal rund 50 Passagiere übernachten, wie die Flughafengesellschaft mitteilte. Tagsüber blieb es am größten deutschen Flughafen sehr ruhig. Von 1256 geplanten Flügen wurden 654 annulliert. Konkurrent Air Berlin bot wegen der Ausfälle 6 zusätzliche Flüge von Berlin nach Frankfurt und München an. Man werde das auch für die kommende Tage prüfen, erklärte eine Sprecherin.