Flugbegleiter-Streik trifft zunächst LH-Drehkreuz Frankfurt

Der auf acht Tage angekündigte Streik der Lufthansa-Flugbegleiter trifft zunächst vor allem das zentrale Drehkreuz der Airline in Frankfurt.

Die Fluggesellschaft hat am ersten Tag des Ausstands 290 Flüge gestrichen, darunter 15 Interkontinental-Verbindungen. Auch in Düsseldorf gibt es Ausfälle. Von den Absagen an beiden Airports seien 37 500 Passagiere betroffen, teilte die Lufthansa mit.

Das zweite große Drehkreuz München wurde von der Gewerkschaft Ufo wegen des Endes der Herbstferien in Bayern bis einschließlich Sonntag vom Streik ausgenommen.

Für Samstag hat die Gewerkschaft weitere Streiks angekündigt, ohne bisher Details zu nennen. Erneut dürften Frankfurt und Düsseldorf betroffen sein, weil Lufthansa nur an drei Standorten Crews stationiert hat. Am Sonntag werde es wegen des vornehmlich privaten Reiseverkehrs bundesweit keine Streikmaßnahmen geben, kündigte Ufo an.

Der einzige internationale Flug der Lufthansa von Düsseldorf aus, die Verbindung nach New York, wurde annulliert. Planmäßig standen in Düsseldorf am Freitag für die Zeit nach dem Streikbeginn drei Flüge nach München sowie zwei Flüge nach Frankfurt auf dem Programm.

Die Ausfälle am Freitag entsprechen gerechnet auf die gesamte Lufthansa-Gruppe nur knapp zehn Prozent der für diesen Tag geplanten 3000 Flüge. Ufo hat aber nur die Flugbegleiter der Muttergesellschaft Lufthansa, die rund 1800 Verbindungen täglich fliegt, zum Streik aufgerufen. Die konzerneigenen Gesellschaften Swiss, AUA, Germanwings und Eurowings sind nicht von dem Arbeitskampf betroffen.

«Alle Passagiere der Lufthansa müssen damit rechnen, dass ihr Flug kurzfristig ausfällt», erklärte Ufo-Chef Nicoley Baublies die flexible Taktik der Gewerkschaft ohne festgelegte Ankündigungsfristen. «Wir haben einen achttägigen Streik bis Freitag nächster Woche. Wie viele Ausnahmen es dabei geben wird, hängt nicht zuletzt vom Verhalten der Lufthansa ab.»

Das Unternehmen hielt der Gewerkschaft vor, mit ihren kurzfristigen Ankündigungen vor allem die Passagiere zu belasten, die so nicht verlässlich planen könnten. Ein Krisenstab arbeitete an einem Sonderflugplan, zudem wurden möglichst viele Passagiere auf andere Airlines umgebucht. Bei streikbedingten Flugausfällen können sie kostenfrei umbuchen oder stornieren.

Die Fluggesellschaft und der Frankfurter Flughafen-Betreiber Fraport erwarten für Freitag eine hohe Zahl gestrandeter Passagiere. Die Airline hat nach eigenen Angaben bereits 2500 Hotelzimmer in der Stadt reserviert. Diese können aber nur von Fluggästen genutzt werden, die in den Schengen-Raum einreisen dürfen.

Transit-Passagiere ohne Visum dürfen hingegen das Flughafen-Terminal nicht verlassen. Fraport werde dort 600 Feldbetten aufstellen und zusätzliches Betreuungspersonal einsetzen, kündigte ein Sprecher an. Vor allem aus Indien nutzen viele Passagiere Frankfurt als Umsteige-Flughafen bei Langstrecken-Verbindungen in Richtung Nordamerika. Wegen der flexiblen Streiktaktik ist noch unklar, wann sie weiterreisen können.

Ufo sei nicht zu unverbindlichen Sondierungen bereit, erklärte ihr Vorsitzender Baublies. «Um den Streik zu unterbrechen, braucht es schon ein handfestes Angebot.» Die Kollegen seien empört über das Verhalten und die Verhandlungstaktik des Konzerns. Insgesamt soll der Arbeitskampf bis zum Freitag kommender Woche (13. November) dauern.

Es ist der erste Ausstand der Flugbegleiter in der aktuellen Tarifrunde, bei der es um die Übergangs- und Betriebsrenten von rund 19 000 Flugbegleitern bei der Lufthansa-Kerngesellschaft geht. Die Piloten der Lufthansa haben hingegen schon 13 Mal gestreikt. Ihre Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wurde im September vom Landesarbeitsgericht Hessen gestoppt, weil sich der Arbeitskampf allzu offen gegen den Ausbau der neuen Billigtochter Eurowings richtete.

Der Ufo-Streikaufruf ist hingegen strikt auf das Thema der Betriebs- und Übergangsrenten beschränkt. Die Lufthansa prüft, ob sie dennoch juristisch gegen den Streik vorgeht.