Ford-Gewinnwarnung setzt Branche unter Druck

Ein zusammengestrichener Jahresausblick von Ford hat die Branche kurz vor dem Start des Pariser Autosalons aufhorchen lassen. Der zweitgrößte Autobauer Amerikas dürfte deutlich weniger verdienen als bislang erwartet.

Schuld ist vor allem das Europageschäft. Das wegen des Ukraine-Konflikts sanktionierte Russland verhagelt die Absatzpläne.

Nur drei Monate, nachdem er das Steuer übernahm, erklärte der neue Ford-Chef Mark Fields beim Investorentag am Montag, dass sein Unternehmen dieses Jahr viel weniger als bisher erwartet verdienen dürfte. Auch 2015 wird nicht wie erwartet laufen: Wegen der Krise um Russland und die Ukraine verfehlt Ford die angepeilten schwarzen Zahlen im Europa-Geschäft. Die Aktie stürzte regelrecht ab.

Vor Steuern peilt Ford laut seiner gekappten Prognose dieses Jahr sechs Milliarden Dollar Gewinn vor Steuern an. Das sind etwa 1,5 Milliarden weniger als das Unternehmen zuletzt vorhergesagt hatte und 2,5 Milliarden weniger als 2013. Zwar soll der Wert nächstes Jahr auf 8,5 bis 9,5 Milliarden steigen - Europa wird aber mit minus 250 Millionen Dollar weiterhin Verluste einfahren.

Vor allem der Markteinbruch in Russland macht Ford einen dicken Strich durch die Rechnung. Dort brachen die Verkaufszahlen des US-Herstellers in den ersten acht Monaten um sage und schreibe 43 Prozent ein - keinen anderen der großen Autobauer traf es so hart. Für das Werk in Köln beantragte Ford bereits Kurzarbeit für 4000 Menschen.

Die schlechten Nachrichten von Ford kann die Branche vor der Messe in Paris (4. - 19.10.) schlecht gebrauchen. Ohnehin steht der Autosalon in diesem Jahr nicht unbedingt unter guten Vorzeichen. Europas Automarkt droht schon wieder die Puste auszugehen. Nach dem starken Jahresstart hat sich das Wachstum spürbar verlangsamt - auch weil die Wirtschaft im Euroraum noch immer nicht in Schwung kommt.

Investoren gefallen die eingetrübten Aussichten überhaupt nicht: Die Ford-Aktie ging zu Wochenbeginn mit einem Minus von 7,47 Prozent aus dem New Yorker Handel, fiel nachbörslich weiter, und erholte sich auch am Dienstag vor Börsenstart kaum. Das Handelsvolumen war am Montag etwa dreimal so hoch wie an gewöhnlichen Tagen.

Doch auch die europäischen Autowerte wurden in Mitleidenschaft gezogen - die Aktien von Volkswagen, Daimler und BMW notierten am Dienstag trotz eines positiven Gesamtmarkts im Minus. VW und Daimler hätten sich bereits ähnlich wie Ford geäußert, wenn auch nicht so deutlich, sagte ein Börsianer. «Die Berichtssaison für das dritte Quartal könnte einige unschöne Überraschungen bergen.»