Forscher: «HuffPo» kein Rezept für Regionalzeitungen

Die US-Internetzeitung «Huffington Post» startet am nächsten Donnerstag eine deutschsprachige Ausgabe. Sie finanziert ihr Gratis-Angebot ausschließlich mit Werbung. Viele Verleger in Deutschland wollen dagegen die Gratiskultur im Netz zurückdrängen.

Der Münchner Medienforscher Christoph Neuberger sieht in der «HuffPo» keine Gefahr für die Tageszeitungen. Dass mit der Burda-Tochter Tomorrow Focus ein etabliertes Verlagshaus an dem Projekt beteiligt ist, sieht Prof. Neuberger in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa kritisch.

Frage: Kann die deutsche «Huffington Post» gefährlich werden für die etablierten Medien in Deutschland, die zunehmend auf kostenpflichtige Inhalte im Netz setzen wollen?

Antwort: Das sehe ich erstmal nicht, weil ja die Nachrichten-Websites tagesaktuell berichten können. Wenn ich das richtig sehe, ist das nicht der Ansatz der «Huffington Post», dass man universell in allen Sparten aktuell rund um die Uhr ein Nachrichtenangebot liefern will, sondern es soll ja eher eine Diskussionsplattform sein. (...) Mit 15 Mitarbeitern ist man gegenüber den großen Nachrichtenportalen in Deutschland nicht in der Lage, damit konkurrieren zu können. Abgesehen davon, glaube ich, wird auch die Bezahlschranke nicht so schnell kommen bei den anderen.

Frage: Warum?

Antwort: Es gab ja unglaublich viele Studien und Befragungen von Leuten darüber, ob sie denn bereit wären zu zahlen. (...) Wenn man da sieht, in welchem niedrigen einstelligen Bereich da Leute sagen, sie würden für aktuelle Nachrichten aus Politik und Wirtschaft zahlen, da sind die Aussichten nicht sehr gut. Das mag vielleicht der «Bild»-Zeitung, weil sie eine bestimmte Nische abdeckt im Boulevardbereich, noch gelingen, das ist aber kein Konzept für die Regionalzeitungen in der Breite.

Frage: Die in Deutschland von einer Burda-Tochter mitentwickelte «Huffington Post» lässt Gastautoren unentgeltlich schreiben. Bedroht das den Journalismus?

Antwort: Was hier wirklich sehr ungewöhnlich und anstößig ist: dass hier ein etabliertes Verlagshaus sich auch zum Totengräber des professionellen Journalismus macht. Vorausgesetzt natürlich, man findet überhaupt Leute, die bereit sind, da aus reiner Eitelkeit zu schreiben oder nur, um die Reichweitengewinne zu haben.

Frage: Sie glauben das nicht?

Antwort: Da habe ich schon mal meine Zweifel, dass man in Deutschland überhaupt genügend Leute finden wird. Das setzt ja auch voraus, dass man auch wirklich dann für eine Marke schreiben kann. Ich glaube nicht, dass die «Huffington Post» eine bekannte Marke in Deutschland ist, die die Zugkraft hat wie in den USA (...), wo man jenseits der Reichweite auch einen Reputationsgewinn erzielen kann, das sehe ich also im Moment nicht.

Frage: Es wird ja niemand gezwungen, dort unentgeltlich mitzumachen.

Antwort: Die Krise, in die der Journalismus jetzt geschlittert ist, wird hier ein bisschen ausgenutzt mit Versprechen, die sich gerade bei Nachwuchsjournalisten - glaube ich - kaum bewahrheiten können. Das sind Leute, die da schreiben werden (...), die sich's leisten können, die sagen können: Ich brauch da kein Honorar dafür. Wer wirklich vom Journalismus leben können will, der darf auf so was nicht angewiesen sein.

Frage: Von Blogs mit hohen Klickzahlen wird also auch mittelfristig kaum jemand leben können?

Antwort: Nach allgemeiner Einschätzung wird man sagen können, dass es nur ganz wenigen gelingt, davon leben zu können mit dem eigenen Blog und wenn, dann sind es wahrscheinlich auch eher Nischenangebote im Special-Interest-Bereich, aber wahrscheinlich nicht dort, wo die großen politischen, gesellschaftlichen Diskurse geführt werden über die harten Themen.

Frage: Was können denn die etablierten Medien von der «Huffington Post» lernen?

Antwort: Wenn man sich die «Huffington Post» in den USA anschaut, dann kann man sagen: Die haben es wirklich geschafft, in der Pionierzeit ein paar bekannte Stimmen an Bord zu holen. (...) Das können ja schon bekannte Blogger sein, die man dann einbindet. Die FAZ hat sowas ja auch gemacht, dass ein Don Alphonso dort schreibt.