Forschungsgruppe Wahlen: Sellering ist SPD-Erfolgsgarant

Die SPD hat ihren Wahlerfolg in Mecklenburg-Vorpommern nach einer ersten Analyse vor allem dem sehr beliebten Ministerpräsidenten Erwin Sellering zu verdanken. Der 66-Jährige habe sich als «nahezu optimaler Spitzenkandidat» entpuppt, erklärte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen.

Forschungsgruppe Wahlen: Sellering ist SPD-Erfolgsgarant
Christian Charisius Forschungsgruppe Wahlen: Sellering ist SPD-Erfolgsgarant

Drei Viertel der Wähler hätten ihm eine gute Regierungsarbeit bescheinigt.

Die CDU mit Spitzenmann Lorenz Caffier, die hinter der AfD auf Rang drei zurückfiel, konnte mit ihrem Koalitionspartner SPD nicht mithalten. Caffier erhielt wesentlich schwächere Werte als Sellering. Die AfD profitierte vor allem von der Diskussion über Flüchtlinge und von der Sorge vor einem sozialen Abstieg.

Die Forschungsgruppe schreibt: «Dass die SPD stärkste Kraft bleibt, verdankt sie hohem Vor-Ort-Ansehen, guter Regierungsarbeit, Sachkompetenz und allen voran Erwin Sellering.» Seine Reputation liege auf einer Skala von plus 5 und minus 5 bei 2,4. 78 Prozent finden, dass er gute Arbeit geleistet hat. «67 Prozent aller Befragten wollen Sellering als Regierungschef und nur 18 Prozent CDU-Herausforderer Lorenz Caffier.»

Weiter heißt es in der Analyse: «Neben Kandidaten-Plus und einem hervorragenden Ansehen als Landespartei bekommt die SPD für ihre Arbeit in der rot-schwarzen Koalition sichtbar bessere Noten als die CDU. Auf einer Skala von plus 5 und minus 5 liegen die Sozialdemokraten bei 1,8, die Union bei 1,1. Und während die ökonomische Lage im Land positiver beschrieben wird als 2011, setzen bei Wirtschaft und Arbeitsmarkt deutlich mehr Befragte auf SPD- als auf CDU-Politik.»

Das Thema Flüchtlinge und Asyl ist anders als im Bund oder bei den Landtagswahlen im März diesmal nur zweitwichtigstes Thema - Jobs sind auf Platz eins. Hier bekommt die SPD 25 Prozent Zustimmung, die CDU 18 und die Linke 8. «Die AfD hat hier für 17 Prozent die besten Konzepte, bleibt bei den Parteikompetenzen ansonsten aber wie gewohnt sehr schwach und gilt auch perspektivisch nicht als gewinnbringende Alternative: Könnte die AfD nach der Wahl mitbestimmen, würde sie für nur 14 Prozent bessere, aber für 59 Prozent aller Wahlberechtigten schlechtere Politik machen als die anderen Parteien.»

Die Forschungsgruppe schreibt weiter: «Für ihre eigenen Wähler ist die AfD vor allem «die einzige Partei, die die wichtigen Probleme beim Namen nennt». 90 Prozent der Anhänger empfinden das so, bei allen Befragten unterstreichen es 33 Prozent. «Bei einer ansonsten landespolitisch geprägten Wahl war für 60 Prozent der AfD-Wähler (alle Befragte: 38 Prozent) die Bundespolitik wichtiger, wo Bundesregierung und Kanzlerin extrem kritisch gesehen werden und 90 Prozent (alle Befragte: 51 Prozent) Merkels Flüchtlingspolitik ablehnen.»

90 Prozent der AfD-Wähler befürchten wegen der Flüchtlinge steigende Kriminalität (alle Befragte: 56 Prozent). Fast zwei Drittel der AfD-Anhänger finden, dass ihr Bundesland die Flüchtlinge «nicht verkraften» könne - ein Drittel aller Befragten sieht das auch so. «Für 42 Prozent aller Befragten, aber für 60 Prozent der AfD-Wähler - von denen sich relativ viele im Leben benachteiligt fühlen - haben «hier nur die wenigsten richtig von der Wende profitiert».»

Gewählt wird die AfD von 17 Prozent der Frauen, aber von 26 Prozent der Männer - bei männlichen Wählern mittleren Alters ist sie sogar stärkste Partei. Bei der Generation 60 plus liege die AfD - wie bisher immer bei Wahlen in Flächenländern - unter dem Schnitt. Die SPD sei hier dagegen mit 38 Prozent weit überproportional stark - und bei unter 45-jährigen Wählern auffällig schwach.

Arbeitslose setzen ihre größten Hoffnungen auf die AfD. Die Rechtspopulisten kommen in dieser Gruppe auf 27 Prozent. Die CDU kommt bei Wählern ohne Job auf lediglich 9 Prozent, SPD und Linke erreichen in dieser Gruppe 21 sowie 18 Prozent. Unter Arbeitern verzeichnen SPD, CDU und Linke starke Verluste - die AfD kommt hier auf 28 Prozent.