Forschungsprojekt zu Klimaprozessen in Westafrika

Abgase von veralteten Autos in den Millionenstädten Lagos oder Abidjan verändern das Klima in Westafrika - mit möglichen Folgen auch für unser Wetter.

Wie solche von Menschen verursachten Emissionen mit natürlichen Prozessen zusammenwirken und die Wolkenbildung beeinflussen, will ein EU-Forschungsprojekt herausfinden. Dafür wurden jetzt 8,75 Millionen Euro bewilligt, wie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mitteilte.

«Wir haben nun das Geld, wir fangen jetzt an zu forschen und hoffen, dass wir den Menschen in Westafrika in naher Zukunft relevante Forschungsergebnisse geben können», sagte der Klimaforscher Peter Knippertz. Im Blickpunkt der Forscher stehen Aerosole, also ein Gemisch von Gasen und festen oder flüssigen Schwebeteilchen. Diese beeinflussen die Wolkenbildung. «Wir vermuten, dass sich eine verstärkte Wolkenbildung auf das gesamte Monsunsystem auswirkt», erklärte Knippertz. «Diese Zusammenhänge sind für Westafrika bisher kaum erforscht.»

Die an dem Projekt mit der Abkürzung DACCIWA beteiligten Forscher unter anderem aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Ghana und Nigeria wollen zunächst Daten sammeln, mit Satelliten, Flugzeugen und Messinstrumenten am Boden. Diese Informationen sollen dann für die Entwicklung von Klimamodellen verwendet werden, um etwa schwere Monsunregenfälle oder langfristige Klimaveränderungen besser als bisher vorherzusagen zu können. Zusammen mit zwei weiteren Forschungsprojekten zu den Zusammenhängen von Aerosolen und Klima wird DACCIWA am Donnerstag in Potsdam feierlich gestartet.

«Wenn man ein sehr sensibles System stört, können die Auswirkungen sehr groß sein», sagte Knippertz über das westafrikanische Monsunklima. Dort nähmen viele der Störungen ihren Anfang, die dann in der Karibik zu Wirbelstürmen werden könnten. Auch das Wetter in Europa könne unter Umständen von atmosphärischen Wellen beeinflusst werden, die in Westafrika ihren Ausgang nähmen. Und ein vertieftes Verständnis des klimatischen Geschehens in dieser Region mache auch genauere Wettervorhersagen für Europa möglich: «Für den Mittelmeerraum ist Westafrika direkt nebenan.»