Für und gegen Janukowitsch: Zehntausende demonstrieren in Kiew

Zehntausende Gegner und Anhänger des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch haben sich in Kiew zu neuen Massendemonstrationen versammelt.

Zur Kundgebung der prowestlichen Opposition um Boxweltmeister Vitali Klitschko wurden mehr als 200 000 Menschen erwartet. Eine riesige Menge strömte am Sonntag ins Stadtzentrum. Sicherheitskräfte waren zunächst kaum zu sehen.

Gleichzeitig versammelten sich aber auch etliche Anhänger des prorussischen Janukowitsch in einem Park. Hier wurde ebenfalls mit Zehntausenden Teilnehmern gerechnet. Die regierende Partei der Regionen hatte die Kundgebung kurzfristig verlegt, die zunächst im Abstand von nur 300 Metern zur Opposition geplant gewesen war.

Die Regierungsgegner fordern Janukowitschs Rücktritt, nachdem der Präsident auf Druck Russlands ein weitreichendes Abkommen mit der EU verweigert hatte. Die Ex-Sowjetrepublik ist in der Frage einer engen Partnerschaft mit der EU oder mit Russland tief gespalten.

Klitschko machte sich für eine Vermittlung Deutschlands in dem festgefahrenen Konflikt stark. «Deutschlands Wort hat hier großes Gewicht. Ich wäre froh, wenn sich die Bundesregierung als Vermittlerin einschalten würde», sagte der 42-Jährige dem «Spiegel» (Montag). Er hatte bei einem Treffen mit dem republikanischen US-Senator John McCain die USA zu Sanktionen gegen die ukrainische Führung aufgefordert.

McCain besprach die Krise im Land auch mit Jewgenija Timoschenko, der Tochter der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko. «Wir stehen auf der Seite des ukrainischen Volkes», sagte McCain nach einer Mitteilung von Timoschenkos Vaterlandspartei.