Frage der Ehre: Hamilton will Rosberg-Hattrick verhindern

Lewis Hamilton und Nico Rosberg machen ihre letzte Kraftprobe des Formel-1-Jahres zu einer Frage der Ehre.

Frage der Ehre: Hamilton will Rosberg-Hattrick verhindern
Ali Haider Frage der Ehre: Hamilton will Rosberg-Hattrick verhindern

Nach zuletzt zwei Niederlagen im Rennen und sogar fünf in der Qualifikation gegen seinen deutschen Mercedes-Teamkollegen will sich Weltmeister Hamilton nicht auch noch beim Schlussakt in Abu Dhabi vorführen lassen. Doch der spürbar angriffslustige Rosberg plant fest mit dem Sieg-Hattrick als Trost für das erneut verlorene Titel-Duell. «Ich bin jetzt einfach schneller. Punkt», sagte der 30-Jährige mit giftigem Unterton zum aktuellen Formstand vor dem Finale.

Zum Beweis stürmte der gebürtige Wiesbadener am Freitag zur Bestzeit im Training. Mit 0,138 Sekunden Vorsprung verwies er Hamilton am späten Nachmittag unter Renn-Bedingungen auf den zweiten Platz.

Unweigerlich scheint es also am Sonntag auf den nächsten Zweikampf zwischen den beiden Silberpfeil-Stars hinauszulaufen. Zu deutlich war im Training der Abstand zu den Verfolgern. Ferrari-Hoffnung Sebastian Vettel, der schon dreimal auf dem Yas Marina Circuit triumphierte, rechnet nicht mit verfrühten Weihnachtsgeschenken des Branchenführers. «Ich glaube nicht, dass da groß gepokert wird. Auch die Liebe der beiden Fahrer spricht dafür, dass beide bereit sind, alles zu geben», sagte Vettel durchaus amüsiert über das stark unterkühlte Binnenverhältnis in der Mercedes-Garage.

Für den Scuderia-Fahrer, der das Training als Fünfter beendete, wäre ein vierter Saisonsieg ohnehin nur noch Zugabe nach einem vollauf gelungenen Debütjahr beim italienischen Traditionsteam. WM-Platz drei ist sicher, auch nach vorn geht nichts mehr. Also nahm sich der Hesse während der Übungsrunden sogar Zeit, seinem Renningenieur via Boxenfunk auf Italienisch ein musikalisch eher fragwürdiges Ständchen zu singen.

So locker sehen seine Mercedes-Rivalen die Sache offenkundig nicht. «Ich denke nur an den Sieg», versicherte Hamilton und irritierte dann seinen Stallgefährten Rosberg mit wiederholten Erklärungen über technische Änderungen an seinem Dienstwagen, die Ursache für die jüngste Trendwende seien.

«Es hat sich nichts großartig am Auto geändert», konterte Rosberg. Der WM-Zweite will sich seine Erfolge der vergangenen Wochen nicht von seinem Kollegen madig machen lassen. «Es steckt einfach Arbeit dahinter, einen anderen Grund gibt es nicht», erklärte Rosberg.

Hamilton indes brachte sich auf seine Weise in Stimmung für den Grand Prix im Dämmerlicht. Vor seinen ersten Kilometern auf der Strecke hatte der dreimalige Champion schon ein paar Abenteuerrunden mit einem Buggy im Wüstensand gedreht. Zwischen beiden Trainingseinheiten stellte der 30-Jährige dann noch ein Video von einem wilden Wassersprung auf einem Wakeboard in die sozialen Netzwerke. «Ich fühle mich frisch und bereit für ein paar aufregende Tage», sagte Hamilton.

Ohnehin fühlt sich der Vorjahressieger in diesem Jahr in Abu Dhabi besonders willkommen. Weil die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit ihren 44. Nationalfeiertag begehen, ist rund um die Strecke diese Zahl im Großformat zu sehen. Die 44 ist auch Hamiltons Startnummer, und am Sonntag könnte der Weltmeister seinen 44. Grand Prix gewinnen - wenn da nicht Nico Rosberg wäre.