Fragen & Antworten: Fed setzt Aktienmärkte auf Entzug

Finanzmärkte in Aufruhr: Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke zur Geldpolitik und Sorgen um die chinesische Konjunktur schicken die Börsen weltweit auf Talfahrt. Anleger fragen sich, ist das das Ende der Kursrally an den Aktienmärkten?

Fragen & Antworten: Fed setzt Aktienmärkte auf Entzug
Justin Lane

Was hat die Talfahrt ausgelöst?

Eine Rede von Fedchef Ben Bernanke. Der oberste US-Geldpolitiker hat angekündigt, dass die Notenpresse vom Herbst an langsamer laufen wird. Schon im Herbst 2014 könnte sie ihre milliardenschweren Anleihekäufen ganz einstellen. An sich ist das eine gute Nachricht, denn die Notenbanker reagieren nur auf ihre verbesserten Prognosen für die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt. Tatsächlich war es in den vergangenen Monaten aber vor allem das viele billige Geld der Notenbanken, das die Börsen rund um den Globus auf Rekordjagd geschickt und alternative Anlagen unattraktiv gemacht hat.

Warum denkt die Fed über ein Ende der Billiggeldflut nach ?

Seit Ausbruch der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite 2008 pumpt die US-Notenbank Milliarden in die Wirtschaft, um die schwächelnde Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft in Schwung zu bringen. Sie kauft unter anderem von Banken amerikanische Staatsanleihen. Damit sollen die Kreditinstitute ermuntert werden, Unternehmen mehr Geld zu leihen. Nachdem sich die Konjunkturaussichten für die USA aufgehellt haben, spricht die Fed jetzt erstmals konkret vom Ausstieg.

War die heftige Reaktion der Börsen zu erwarten?

Ja, obwohl die Märkte eigentlich vorgewarnt waren. Schon im Mai hatte die Fed ihren Einstieg in den Ausstieg angedeutet, seither hellten sich die Konjunkturperspektiven weiter auf. Dass die Märkte trotzdem panisch reagieren könnten, war auch Bernanke bewusst. Wohl auch deshalb sagte er: «Die Verminderung der Geschwindigkeit beim Anleihenkauf ist so, als ob man den Fuß etwas vom Gaspedal nimmt, wenn das Auto Tempo aufnimmt - und nicht, als ob man auf die Bremse tritt.» Aus Sicht der Zeitung «Die Welt» reagieren die Finanzmarktakteure wie Drogensüchtige, denen man ihren Stoff wegzunehmen droht: Sie fangen an zu zittern.

Wie wirkt sich diese Geldpolitik auf Sparer aus?

Die Zinsen werden zunächst niedrig bleiben. Die Fed-Gouverneure rechnen mehrheitlich damit, nicht vor 2015 an der Zinsschraube zu drehen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Tiefzinspolitik angesichts der Rezession und der niedrigen Inflation im Euroraum noch einige Zeit fortsetzen. Die Aussichten für Sparer bleiben also mau. Wer in Euro oder Gold investiert ist, verlor am Donnerstag Geld. Der Preis fiel auf den tiefsten Stand seit September 2010, weil Gold als Inflationsschutz betrachtet wird, die Währungshüter derzeit aber für den Euroraum und die USA wenig Preisdruck erwarten. Die Renditen von Anleihen in Europa stiegen hingegen.

Ist der Höhenflug des Dax nun vorbei ?

Das lässt sich kaum vorhersagen. Die Geldflut der Notenbanken ist ein wichtiger Grund für die vergangene Börsenrally. Dennoch könnte der Dax bis zum Jahresende wieder an sein Rekordniveau vom Mai heranrücken. So rechnen 14 von dpa-AFX befragte Experten mit einem Stand von rund 8500 Punkten zum Jahresende. «Ein weiterer, nachhaltiger Kursanstieg muss in erster Linie aber durch anziehende Unternehmensgewinne getragen werden», meinen Helaba-Experten.