Anleger wetten auf Erfolg des Krisengipfels zu Griechenland

Die Hoffnung auf einen Durchbruch im griechischen Schuldenstreit hat den Dax beflügelt.

Neue Vorschläge aus Athen wurden von mehreren Seiten als gute Verhandlungsbasis gewertet. Die kritischen Aussagen mehrerer Euro-Finanzminister trübten die Euphorie allerdings nur wenig: Nach Kursgewinnen von bis zu dreieinhalb Prozent stand der deutsche Leitindex zuletzt noch 2,62 Prozent im Plus bei 11 328,93 Punkten.

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um 1,70 Prozent auf 19 905,75 Punkte hoch, und der Technologiewerte-Index TecDax gewann 1,42 Prozent auf 1658,52 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zog um 2,55 Prozent auf 3543,98 Punkte an.

Vor dem Sondergipfel der Euro-Staats- und Regierungschefs am Abend legte Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras praktisch in letzter Minute neue Vorschläge vor.

Laut der griechischen Presse soll er bereit sein, die Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel, Restaurants und Hotels zu erhöhen, die meisten Frührenten abzuschaffen und die Reichen des Landes mit einen Sondersteuer zu belegen. Als Gegenleistung fordere Athen eine Umschichtung seiner Schulden und ein Investitionsprogramm.

Derweil vermisste Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Vorab-Treffen mit seinen Amtskollegen belastbare Angebote der griechischen Regierung. Österreichs Ressortchef Hans Jörg Schelling kritisierte den späten Zeitpunkt der Vorschläge aus Athen und hält deshalb eine Einigung noch am Montag für unwahrscheinlich.

Ähnlich äußerte sich der finnische Finanzminister Alexander Alexander Stubb, der von «sehr geringen Erwartungen» sprach. Dabei drängt die Zeit für eine Lösung: Das aktuelle europäische Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende des Monats aus. Dann droht ohne die Einigung auf neue Finanzhilfen die Staatspleite.

Bei den Unternehmen war die Agenda am Montag übersichtlich. Die Lufthansa-Aktien waren mit plus 0,99 Prozent einer der schwächsten Werte im Dax. Bei der Fluggesellschaft ist der nächste Streik ein Stück näher gerückt: Am Samstag war die Schlichtung im Tarifkonflikt der Flugbegleiter ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Ansonsten bewegten vor allem Analystenkommentare die Kurse. Die Aktien der Autobauer und -zulieferer erholten sich deutlich von ihrer jüngsten Schwäche, nachdem JPMorgan den Sektor hochgestuft hatte und zum Kaufen empfiehlt. Im Dax eroberten BMW-Papiere mit plus 4,15 Prozent den Spitzenplatz. Daimler-Aktien verteuerten sich um 3,00 Prozent, und Volkswagen-Aktien rückten um 2,45 Prozent vor. Die Titel des Zulieferers Leoni gehörten mit einem Kursanstieg von 3,79 Prozent zu den größten Gewinnern im MDax.

Die Aktien des Versicherers Allianz gewannen 3,21 Prozent - hier half eine Hochstufung durch das Analysehaus Jefferies. Bei den mittelgroßen Werten liefen Osram-Aktien mit minus 1,34 Prozent der Marktentwicklung weit hinterher. Das Bankhaus Metzler rät zum Verkauf, da der «überoptimistische Marktkonsens» die Risiken bei dem Lichtspezialisten übersehe.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,61 Prozent am Freitag auf 0,66 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,14 Prozent auf 138,17 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,64 Prozent auf 151,20 Zähler. Der Euro stieg: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1345 (Freitag: 1,1299) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8814 (0,8850) Euro.