Aufatmen in Frankfurt: Absturz gestoppt, Schaaf gestützt

Eintracht Frankfurt hat den Klassenerhalt geschafft, 1899 Hoffenheim die Europa-League-Teilnahme so gut wie verspielt. Das bleibt als erstes hängen vom Frankfurter 3:1-Sieg. Besonders bedeutsam war dieser Erfolg aber vor allem für Thomas Schaaf.

Seinen bislang wichtigsten Sieg als Trainer von Eintracht Frankfurt nahm er so auf, wie man es von ihm kennt: äußerlich gelassen, ohne große Gefühlsregung. Nach dem verdienten Sieg gegen nun wohl endgültig aus dem Europa-League-Rennen gedrängte Hoffenheimer umarmte er kurz jeden seiner Spieler und auch Mitarbeiter. Etwas anrührender wurde es nur, als der Fußball-Lehrer auf dem Platz auch noch den Adler Attila streichelte, das lebendige Wappentier der Eintracht.

Dabei hat nur ein einziger Erfolg auf einmal vieles verändert an der Gefühlslage dieses Vereins. Nach sechs Spielen ohne Sieg machten die Frankfurter den zwischenzeitlich wieder etwas in Frage gestellten Klassenerhalt endgültig perfekt. Genauso wichtig war aber auch: Die Mannschaft reagierte auf beeindruckende Weise auf die große Unruhe der vergangenen Tage und die aus verschiedenen Richtungen aufgekommene Kritik an Schaaf. «Wir haben die Antwort auf dem Platz gegeben. Ich denke, jetzt wieder etwas mehr Ruhe einkehrt», sagte Kapitän Kevin Trapp. «Bisher gehen wir davon aus, dass Schaaf unser Trainer bleibt. Uns ist nichts anderes bekannt.»

Angelastet wird dem 54-Jährigen eine sportlich immer noch enttäuschende Rückrunde und ein mehreren Medienberichten zufolge arg strapaziertes Verhältnis zu seinen Spielern. Die «Bild»-Zeitung legte am Spieltag selbst noch einmal nach und schrieb, dass Schaaf mittlerweile auch im Aufsichtsrat sehr kritisch gesehen wird. «Ich habe mich auf meine Arbeit konzentriert und bin meinen Aufgaben nachgegangen», sagte er zu der Unruhe der vergangenen Tage. Und er wusste genau: Diese Arbeit konnte sich an diesem Tag sehen lassen.

Bastian Oczipka (18.), Haris Seferovic (27.) und Timothy Chandler (34.) trafen schon früh für eine stark ersatzgeschwächte aber hochmotivierte Eintracht. «Gratulation an die Mannschaft. Sie hat das klasse gemacht. Wir freuen uns sehr über diesen Sieg», sagte Schaaf. Ein Sieg ohne die schwer am Knie verletzten Bamba Anderson und Sonny Kittel wohlgemerkt, ohne die kurzfristig ausgefallenen Nelson Valdez und Alexander Madlung und am Ende auch noch ohne Slobodan Medojevic, der nach 35 Minuten ebenfalls nicht mehr weiterspielen konnte. Und das sind nur die Ausfälle aus dieser Woche.   

Während die Frankfurter konsequent ihre Chancen nutzten und auch bei dem Hoffenheimer Dauerdruck nach dem 3:1 durch Kevin Volland (51.) kaum klare Torchancen zuließen, trat die TSG für einen Europapokal- Anwärter erstaunlich lax und sorglos auf. «Ich habe meine Mannschaft selten so viel quer spielen und selten so nachlässig gesehen. Ich bin schier wahnsinnig geworden an der Seitenlinie», sagte Trainer Markus Gisdol. Nach der Auswechselung von gleich drei Spielern zur Pause wurde es etwas besser. «Aber mehr als der Anschlusstreffer war uns nicht vergönnt und wäre heute auch nicht verdient gewesen», meinte Gisdol. «So eine erste Halbzeit wird bestraft.»

Die erste Europa-League-Teilnahme der Vereinsgeschichte ist nach dem Fall auf Platz neun der Tabelle kaum noch erreichbar. «Nach so einem Spiel verbietet es sich auch, darüber zu reden», meinte Pirmin Schwegler. Für den Mittelfeldspieler war es ein ganz besonderer Tag. Zum ersten Mal nach fünf Jahren bei der Eintracht kehrte er in sein altes Stadion zurück. «Wir sind erst um 16.30 Uhr richtig in Frankfurt angekommen», meinte er. Da begann die zweite Halbzeit.

Ballbesitz in %: 41,1 - 58,9

Torschüsse: 13 - 8

gew. Zweikämpfe in %: 55,2 - 44,8

Fouls: 21 - 25

Ecken: 1 - 1

Quelle: optasports.com