Chefwechsel bei der Deutschen Bank: Cryan ersetzt Jain

Gut drei Wochen nach der Rücktrittsankündigung von Anshu Jain bekommt die Deutsche Bank einen neuen Co-Chef: Der Brite John Cryan tritt sein Amt an der Seite von Jürgen Fitschen an.

Chefwechsel bei der Deutschen Bank: Cryan ersetzt Jain
Steffen Schmidt Chefwechsel bei der Deutschen Bank: Cryan ersetzt Jain

Nach der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 soll Cryan die Führung des größten deutschen Geldhauses allein in die Hand nehmen.

Die Erwartungen an den 54-Jährigen sind gewaltig: Die Börse bejubelte die Personalie, Aktionäre hoffen auf endlich wieder dauerhaft steigende Kurse, Aufseher mahnen ein Ende der Skandale an. «Es reicht nicht, eine gute Strategie zu haben, auch die Prozesse bei der Umsetzung der Strategie müssen stimmen», sagte Deutschlands oberster Bankenaufseher, Bafin-Präsident Felix Hufeld, am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt auf Fragen zu dem Dax-Konzern.

Deutschland einzige wirklich globale Bank müsse unter ihrem neuen Chef neben traditionellen Stärken auch «zuverlässige und belastbare Prozesse» im Einklang mit den Regeln aufbauen, mahnte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). «Hier muss die Bank nachbessern.» Dafür seien viele Schritte notwendig.

Cryan, ehemals Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS (2008-2011), wird in der Branche als erfolgreicher Sanierer geschätzt. Bei der UBS entrümpelte er die Bilanz und war mitten in der jüngsten Finanzkrise maßgeblich an einer radikalen Umstrukturierung des Finanzriesen beteiligt. Die Deutsche Bank kennt er seit 2013 von innen, als ihn Aufsichtsratschef Paul Achleitner in das Kontrollgremium holte. Diesen Posten gibt Cryan mit seinem Antritt als Co-Chef auf.

Die seit Juni 2012 amtierende Doppelspitze Jain/Fitschen war immer mehr in die Kritik geraten. Ständig neue Skandale und Milliardenstrafen für Altlasten ramponierten das Image der Bank zunehmend. Bei der Hauptversammlung im Mai straften die Aktionäre das Duo ab. Nun soll Cryan die im April beschlossene neue Strategie umsetzen. Beschlossen ist unter anderem die Trennung von der Tochter Postbank und die Schließung von bis zu 200 eigenen Filialen.