Chefwechsel bei der Deutschen Börse: Kengeter übernimmt

Seit April ist Carsten Kengeter dabei, nun übernimmt der Investmentbanker die Führung der Deutschen Börse. Offiziell wechselt der Vorstandsvorsitz heute von Reto Francioni (59) auf den 48-Jährigen.

Chefwechsel bei der Deutschen Börse: Kengeter übernimmt
Arne Dedert Chefwechsel bei der Deutschen Börse: Kengeter übernimmt

Damit ist der Generationenwechsel bei dem Frankfurter Marktbetreiber perfekt, den der Aufsichtsrat bereits im vergangenen Herbst eingeleitet hatte.

Kapital will die Börse aus Kengeters engmaschigem Netz in Asien schlagen. «Wir sind sicher, dass Herr Kengeter den erfolgreichen Weg dieses Unternehmens fortsetzen wird und ihn mit neuen, insbesondere internationalen Impulsen weiter bereichern wird», sagte Aufsichtsratschef Joachim Faber bei der Hauptversammlung Mitte Mai.

Mit strategischen Aussagen hielt sich Kengeter in seiner knappen Vorstellung vor den Aktionären zurück. Nur so viel gab der gebürtige Heilbronner zu Protokoll: Die Deutsche Börse sei «die einzige Börse mit europäischen Standards, welche in der Weltliga spielt». Er sehe für den Dienstleister «als Bindeglied zwischen Regulierer und Regulierten (...) durchaus weiteres Wachstumspotenzial».

Zudem böten die Märkte im asiatisch-pazifischen Raum interessante Perspektiven. Mehr erfuhren die Anteilseigner zunächst nicht - trotz Nachfragen.

Für Kengeter ist der Sprung an die Spitze der Deutschen Börse ein Comeback: Der Zockerskandal bei der Schweizer Großbank UBS im September 2012 führte zu einem Knick in seiner bis dato steilen Karriere. Der Londoner Händler Kweku Adoboli hatte die UBS mit betrügerischen Deals um 2,3 Milliarden Dollar gebracht und machte auch seinen Vorgesetzten Vorwürfe. Kengeter wurde die Verantwortung für das Investmentbanking entzogen, schließlich verließ der Vater von drei Kindern 2013 die Schweizer Großbank.

Auch vor seinem Einstieg bei der UBS 2008 hatte Kengeter bei internationalen Großbanken gearbeitet. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Reutlingen und im britischen Middlesex begann er 1992 bei der britischen Barclays. Nach fünf Jahren wechselte er zu Goldman Sachs in Frankfurt und London. Von 2005 bis 2008 leitete Kengeter von Hongkong aus das asiatische Handelsgeschäft von Goldman.

Die Bedeutung Asiens hatte auch Kengeters Vorgänger Francioni immer wieder betont. Kritiker meinen, der Schweizer habe dies auch mangels eigener Visionen getan. Das ehrgeizigste Projekt der knapp zehnjährigen Amtszeit Francionis (November 2005 bis Ende Mai 2015) - ein Zusammenschluss mit der New Yorker NYSE/Euronext zum weltgrößten Marktbetreiber - scheiterte Anfang Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter in Brüssel. Viele Aktionäre haben diese Schlappe noch nicht abgehakt - und hoffen auf frischen Wind unter Kengeter.