Dax-Anleger haben im Schuldendrama noch Hoffnung

Dem turbulenten Wochenauftakt folgte am Frankfurter Aktienmarkt ein nicht minder nervenaufreibender Dienstag.

Nach einem weiteren Kursrutsch schöpften die Anleger doch noch Hoffnung, dass es eine Annäherung im Griechenland-Streit in letzter Sekunde gibt. Dieser neue Optimismus half dem Dax bis zum Nachmittag ins Plus. Der deutsche Leitindex legte um 0,07 Prozent auf 11 090,80 Punkte zu.

Zuvor hatte der näher rückende Ablauf des internationalen Hilfsprogramms für Athen neben massiven Kursverlusten an der Wall Street den Dax um 1,7 Prozent nach unten gedrückt. Am Vortag war der Leitindex bereits um gut 3,5 Prozent gefallen.

Die Anleger setzten am Dienstagnachmittag aber darauf, dass Brüssel doch noch einen Schritt auf Athen zugeht - kurz bevor Griechenland einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht bedienen kann. Falls der griechische Premier Alexis Tsipras noch im Laufe des Tages das Angebot der Geldgeber für ein Sparpaket annehme und für ein «Ja» bei der Volksabstimmung über die geforderten Reformen werbe, könnte der Weg für ein weiteres Euro-Finanzministertreffen geebnet werden, hatte es in EU-Kreisen geheißen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sah aktuell für eine Einigung keine Chance. «Heute Abend, genau 24.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, läuft das Programm aus. Und ich kenne keine belastbaren anderen Hinweise», sagte Merkel in Berlin. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble stellte jedoch klar, dass Griechenland auch im Falle eines negativen Referendums am Wochenende im Euro bleibe.

Der MDax der mittelgroßen Werte dämmte seine Verluste bis zum Dienstagnachmittag auf 0,13 Prozent und 19 781,76 Punkte ein. Der Technologiewerte-Index TecDax drehte mit 0,12 Prozent ins Plus bei 1649,75 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte ebenfalls leicht zu.

Eigentlich müsste Athen spätestens in der Nacht auf Mittwoch 1,54 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte aber am Montagabend im griechischen Staatsfernsehen bereits den Ausfall der Zahlung erklärt.

Aber auch der Blick über den Teich rief bei den Anlegern Sorgen hervor. «Der neue Gegenwind für den Dax kommt nicht aus Griechenland, sondern aus den USA. Dort bahnt sich die erste ernsthafte Korrektur am Aktienmarkt seit Monaten an», sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. «Die Unruhe an der Wall Street ist am Montag massiv angestiegen und dies liegt nicht nur an Griechenland.» Zuletzt zeichnete sich auch hier allerdings eine Erholung ab.

Gegen den Trend stark zeigten sich die Papiere von K+S mit einem Zuwachs von gut 3 Prozent. Die Papiere des Kasseler Salz- und Düngemittelkonzerns profitieren weiter von Übernahmefantasien. Dem «Handelsblatt» zufolge hält K+S eine Offerte des kanadischen Wettbewerbers Potash von rund 41 Euro pro Aktie für zu niedrig.

Noch schwankungsfreudiger als der Gesamtmarkt zeigten sich die Papiere des Verpackungsspezialisten Gerresheimer. Sie knickten zeitweise um über 7 Prozent ein, nachdem Gerresheimer den Verkaufs des Geschäfts mit Röhrengläsern verkündet hatte. Dann aber kletterten sie an die MDax-Spitze und gewannen dabei zuletzt gut 3 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 0,63 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,01 Prozent auf 138,36 Punkte. Der Bund-Future sank nach dem starken Vortag um 0,36 Prozent auf 151,78 Zähler. Der Euro legte zu: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1189 (Montag: 1,1133) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8937 (0,8982) Euro.