Dax-Anleger hoffen erneut auf Lösung für Griechenland

Die wieder aufgekeimte Hoffnung auf eine Einigung mit den Geldgebern Griechenlands hat dem Dax am Mittwoch kräftig Auftrieb gegeben.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sei bereit, die meisten Forderungen der Gläubiger zu akzeptieren, berichtete die «Financial Times» unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Brief des Politikers.

Dies schob die Erholung im deutschen Leitindex bis zum Mittag deutlich an: Der Dax gewann 2,53 Prozent auf 11 221,69 Punkte. Er holte damit rund die Hälfte der Verluste auf, die er am Montag und Dienstag erlitten hatte. Am Wochenende hatte Tsipras überraschend ein Referendum über die von den Geldgebern geforderten Reformen angekündigt und damit die Verhandlungen platzen lassen.

Der MDax der mittelgroßen Werte stieg zur Wochenmitte um 2,25 Prozent auf 20 063,02 Punkte, der Technologiewerte-Index TecDax gewann 2,43 Prozent auf 1682,17 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um gut 3 Prozent, auch der Euro reagierte mit zwischenzeitlich deutlichen Gewinnen zum US-Dollar.

In der Nacht hatte Griechenland eine fällig gewordenen Kreditrate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht überwiesen - das war aber erwartet worden und beschäftigte die Börse damit nicht weiter. Unmittelbare Konsequenzen hat der Zahlungsausfall ohnehin nicht. Die Finanzminister der Eurogruppe sprechen nun am späten Nachmittag (17.30 Uhr) erneut über die verfahrene Lage in dem Krisenland.

Noch stützt die Europäische Zentralbank (EZB) die griechischen Finanzinstitute weiter mit den sogenannten Notfall-Liquiditätshilfen (Ela). An Geldautomaten dürfen die Griechen seit Montag maximal 60 Euro pro Tag abheben. Die Banken und die Börse bleiben bis Anfang kommender Woche geschlossen.

Neben Griechenland dürften zur Wochenmitte auch Konjunkturdaten aus den USA stärker beachtet werden. Vor dem offiziellen Jobbericht der Regierung, der feiertagsbedingt bereits am Donnerstag veröffentlicht wird, berichtet der Dienstleister ADP am Nachmittag über den Stellenaufbau im Privatsektor.

Die Kennzahlen vom Arbeitsmarkt sind von großer Bedeutung, weil die amerikanische Notenbank Fed ihre Geldpolitik stark am Jobmarkt ausrichtet. In den USA steht eine Zinswende bevor. Die Mehrheit der Experten rechnet inzwischen mit einer Anhebung der Leitzinsen im September.

Angeführt wurde der Dax von den im Index schwer gewichteten Papieren von Daimler und Bayer, die um über 3 Prozent zulegten. Die Experten der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas trauen den Papieren des Autobauers noch mehr Kurspotenzial zu als bisher.

Die Aktien des TecDax-Unternehmens Evotec gaben dagegen nach: Die Biotech-Papiere verloren 4,37 Prozent. Der Alzheimer-Wirkstoffkandidat Sembragiline hatte in einer Testreihe des Partners Roche die Erwartungen verfehlt.