Dax lahmt vor nächstem Griechenland-Treffen

Die Euphorie der Anleger am deutschen Aktienmarkt ist abgeklungen. Craig Erlam vom Währungshändler Oanda warnte vor zu hohen Erwartungen an eine rasche Lösung im griechischen Schuldenstreit.

Das deutsche Ifo-Geschäftsklima, das sich im Juni stärker eintrübte als erwartet, bewegte die Kurse indes kaum. Der Dax pendelte um seinen gestrigen Schlussstand und notierte zuletzt 0,08 Prozent tiefer bei 11 532,95 Punkten.

Am Mittwochabend treffen sich die Euro-Finanzminister, um über die jüngsten Spar- und Reformvorschläge aus Griechenland zu beraten. Die Reformzusagen sind Voraussetzung für die Auszahlung dringend benötigter neuer Milliardenhilfen an das pleitebedrohte Land. Am Montag hatte der deutsche Leitindex mit einem knapp vierprozentigen Kurssprung den größten Tagesgewinn seit August 2012 erzielt und am Dienstag weiter zugelegt.

Der MDax der mittelgroßen Werte sank am Vormittag um 0,13 Prozent auf 20 227,16 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,75 Prozent auf 1690,14 Zähler bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann derweil 0,07 Prozent auf 3628,49 Punkte.

Die Athener Regierung habe Fortschritte in Richtung einer Einigung mit den Geldgebern gemacht, räumte Experte Erlam ein. Doch solche Gespräche gingen selten reibungslos über die Bühne, warnte er. Selbst im derzeit fortgeschrittenen Verhandlungsstadium könnten noch Meinungsverschiedenheiten für Verzögerungen sorgen.

Christian Henke vom Broker IG erinnerte an den schwindenden Rückhalt des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in der eigenen Partei. Die nötige Abstimmung im Parlament über die Sparforderungen der Gläubiger «könnte für Tsipras zum Desaster werden», meinte er.

Bei den Unternehmen sah die Agenda in Deutschland erneut übersichtlich aus. Im Dax profitierten die vortags schwachen Versorgertitel von Berichten, wonach Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) seine umstrittene Abgabe für alte Kohlekraftwerke aufgegeben hat. Dem Dementi Gabriels, demzufolge die Gespräche weitergehen, schenkten die Anleger wenig Aufmerksamkeit.

Die Aktien des Essener Energiekonzerns RWE, für den Börsianern zufolge ein Aus der Kohleabgabe besonders positiv wäre, sprangen um 3,29 Prozent hoch. Beim Konkurrenten Eon konnten sich die Anleger über Kursgewinne von 0,87 Prozent freuen.