Griechenland, Euro und Anleihen belasten Dax

Das Gezerre um Griechenland, ein erneuter Ausverkauf am Anleihemarkt und der wieder deutlich gestiegene Eurokurs haben dem deutschen Aktienmarkt zugesetzt. Zeitweise fiel der Dax daraufhin im recht ruhigen Feiertagshandel unter die Marke von 11 200 Punkte.

Bis zum Nachmittag erholte sich der deutsche Leitindex wieder etwas und gab um 0,85 Prozent auf 11 322,34 Punkte nach. Der MDax der mittelgroßen Werte fiel um 0,94 Prozent auf 20 246,00 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax sank um 0,77 Prozent auf 1690,62 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,79 Prozent.

Mit Blick auf das pleitebedrohte Griechenland dreht sich weiter alles um die Frage, ob Athen und die geldgebenden Euroländer noch rechtzeitig einen Kompromiss finden. Am Freitag ist eine Zahlung Griechenlands an den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 305 Millionen Euro fällig, der Athen anscheinend fristgerecht nachkommen will. Im laufenden Monat stehen Zahlungen an den Weltwährungsfonds von insgesamt knapp 1,6 Milliarden Euro an.

Der Kurs des Euro, der am Vortag bereits kräftig von Aussagen des europäischen Notenbankchefs Mario Draghi über die Wirtschaftsentwicklung im Euroraum profitiert hatte, stieg zeitweise bis knapp unter 1,14 US-Dollar.

Die Hoffnung auf eine anstehende Einigung mit Athen und der Ausverkauf am Anleihemarkt, der dort die Renditen steigen ließ, trugen ihr Übriges zu dieser Entwicklung bei. Am Rentenmarkt in Deutschland näherte sich der Zins für zehnjährige Bundesanleihen der Marke von 1 Prozent. Erst Mitte April war er auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent gefallen.

Zuletzt kam allerdings auch die Gemeinschaftswährung, die Ende Mai noch bei knapp über 1,08 US-Dollar gehandelt worden war, wieder etwas zurück und sank unter 1,13 Dollar. Ein starker Euro belastet die exportorientierten Unternehmen, da sie ihre Waren außerhalb der Eurozone nicht mehr so günstig absetzen können. Zudem halten sich bei steigenden Eurokursen die zahlreichen ausländischen Anleger am deutschen Aktienmarkt mit Engagements zurück.

Unter den Einzelwerten im Dax zählten die Papiere der Deutschen Telekom mit einem Aufschlag von 2,28 Prozent zu den wenigen Gewinnern. Nach Monaten der Ruhe gibt es wieder neue Spekulationen über die Zukunft der Telekom-Tochter T-Mobile US: Jetzt soll erneut der amerikanische Satellitenfernsehanbieter Dish interessiert sein, wie das «Wall Street Journal» berichtete.

Die Aktien von RWE büßten als Dax-Schlusslicht 2,21 Prozent ein und die von Eon sanken um 1,70 Prozent. Laut dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ist die milliardenschwere Atomsteuer für die deutschen Energiekonzerne mit EU-Recht vereinbar. Das könnte zwar die beiden Versorger teuer zu stehen kommen, doch sei ein solches Urteil längst erwartet worden, hieß es unisono am Markt.

Im Blick standen außerdem noch die Aktien des Mode-Versandhändlers Zalando, die an der SDax-Spitze um 2,07 Prozent zulegten. Sie werden zum 22. Juni in den MDax aufgenommen, wie die Deutsche Börse am Vorabend nach Börsenschluss bekanntgab.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,55 Prozent am Vortag auf 0,73 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,84 Prozent auf 137,54 Punkte. Der Bund-Future legte nach einem turbulenten Handel zuletzt um 0,26 Prozent auf 151,05 Punkte zu. Den Referenzkurs des Euro setzte die EZB auf 1,1317 (Mittwoch: 1,1134) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8836 (0,8982) Euro.