Griechenland schockt die Börsen

Die dramatisch zugespitzte Lage in Griechenland lässt die internationalen Finanzmärkte erzittern. Anleger flüchteten am Montag aus Aktien, der Euro und der Ölpreis gerieten zunächst unter Druck.

Der deutsche Leitindex Dax rutschte kurz nach Handelsbeginn um 4,12 Prozent auf 11 010,38 Punkte ab. Im Laufe des Vormittags erholte sich das wichtigste deutsche Börsenbarometer etwas, das Minus lag zuletzt bei knapp drei Prozent. Auch an anderen Aktienmärkten in Europa und in Asien ging es bergab. Die Börse in Athen bleibt voraussichtlich eine Woche lang geschlossen. Marktbeobachter gehen aber davon, dass sich die Kurse bald wieder erholen werden.

Der Euro-Wechselkurs rutschte zwar am Morgen unter die Marke von 1,10 Dollar, dann erholte sich die Gemeinschaftswährung aber wieder und lag am Vormittag mit 1,1117 Dollar noch knapp einen Cent unter dem Referenzkurs vom Freitag (1,1202 Dollar).

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte am Wochenende völlig überraschend ein Referendum über die geforderten Reformen eingeleitet. Damit brachte er die Verhandlungen mit den Geldgebern über das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm zum Scheitern. Für das hoch verschuldete Land wird es nun praktisch unmöglich, eine Kredit-Rückzahlung über 1,54 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu leisten.

Die Bürger in Griechenland stehen seit Montag vor verschlossenen Türen ihrer Banken. Bankschließungen und Kapitalverkehrskontrollen sollen das Überleben der griechischen Institute sicherstellen. In den vergangenen Tagen hatten immer mehr verängstigte Bürger Bargeld abgehoben und damit die ohnehin angespannte Lage der Geldhäuser verschärft.

Anleger in Asien und Europa wurden von der Entwicklung kalt erwischt. Bis zuletzt hatten die meisten auf eine Einigung gehofft. Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, rutschte in der ersten Viertelstunde nach Handelsbeginn um 4,66 Prozent auf 3452,55 Punkte ab. Der europaweite Auswahlindex Stoxx 50 verlor 3,07 Prozent.

Zuvor hatten die Börsen in Ostasien deutlich nachgegeben. In Japan verlor der Nikkei-Index zum Handelsschluss 2,88 Prozent auf 20 109,95 Zähler, auch in Singapur, Sydney und Hongkong notierten die Kurse im Minus.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, erwartet aber keinen Crash an den Börsen. «Natürlich wird der Dax zunächst leiden, aber fundamental ist die Wirtschaft in Takt», sagte Tüngler der Deutschen Presse-Agentur. Der Rückschlag werde nicht von Dauer sein.

Die Anleger flüchteten am Montag in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel. In Ländern wie Italien, Spanien und Portugal legten die Risikoaufschläge dagegen spürbar zu. Sollte Griechenland seine Hilfskredite nicht zurückzahlen können, wären diese Staaten besonders hart getroffen.

Das Schuldendrama lastete auch auf den Ölpreisen. Anleger mieden in Phasen hoher Unsicherheit riskantere Anlageformen, sagten Händler. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete im asiatischen Handel 62,49 US-Dollar. Das waren 77 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 89 Cent auf 58,74 Dollar.