Libor-Skandal: Vorwürfe gegen Deutsche-Bank-Manager

Der Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze hält die Deutsche Bank auch nach dem Abschied von Co-Chef Anshu Jain und Milliarden-Strafen weiter in Atem.

Vier amtierende Vorstände und zwei weitere Top-Manager des Instituts sehen sich mit schweren Vorwürfen der Finanzaufsichtsbehörde Bafin konfrontiert.

Sie seien ihren Kontrollpflichten nicht ausreichend nachgekommen und hätten Aufseher bei der Aufarbeitung der Affäre unvollständig und zum Teil unzutreffend informiert, heißt es im bereits im Mai fertiggestellten Untersuchungsbericht der Behörde, den das «Wall Street Journal» in der Nacht zu Freitag veröffentlichte.

Der Brite John Cryan hatte zu Monatsbeginn Jain in der Doppelspitze der Deutschen Bank abgelöst. Bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 wird er die Bank zusammen mit Jürgen Fitschen führen und danach allein leiten.

Skandale und Milliardenstrafen hatten das Image der Bank zuletzt zunehmend ramponiert und die Ergebnisse schwer belastet, so dass Anfang Juni nur wenige Tage nach der Hauptversammlung der Wechsel an der Spitze bekanntgegeben wurde. Nach früheren Angaben der Bank haben die Personalien nichts mit den Ermittlungen zu tun. Wie bereits bekannt war, belastete die Behörde Jain in ihrem Libor-Bericht schwer.

Zu möglichen Konsequenzen des jetzt öffentlich gewordenen Bafin-Berichts hielt sich die Deutsche Bank bedeckt. «Es wäre unangemessen, zum jetzigen Zeitpunkt Schlussfolgerungen hinsichtlich des Verhaltens der Bank oder einzelner Personen zu ziehen», hieß es in einer Stellungnahme. «Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass ihre detaillierten Antworten aus Respekt vor dem aufsichtsrechtlichen Procedere in nicht-öffentlicher Form erfolgen.» Das Institut erklärte, dass der Bafin-Bericht Aussagen enthalte, die aus dem Zusammenhang gerissen seien.