Neue Griechenland-Hoffnung hebt Stimmung der Anleger

Erneut aufgekeimte Hoffnungen auf eine Lösung im griechischen Schuldenstreit haben dem Dax am Freitagnachmittag Auftrieb gegeben. Der deutsche Leitindex schaffte es nach einem trüben Vormittag am Nachmittag sogar knapp ins Plus.

Zuletzt stieg der Dax 0,11 Prozent auf 11 485,89 Punkte. Aus Wochensicht winkt ihm damit ein Anstieg von über dreieinhalb Prozent - vor allem dank des Kurssprungs am Montag, als Hoffnungen auf eine Lösung im Schuldenstreit das Börsenbarometer kräftig beflügelt hatten.

Der MDax der mittelgroßen Werte stieg zuletzt um 0,20 Prozent auf 20 335,76 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax verlor noch 0,37 Prozent auf 1690,03 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,16 Prozent auf 3616,81 Punkte hoch.

Die internationalen Geldgeber haben eine Verlängerung des griechischen Rettungsprogramms um fünf Monate bis Ende November vorgeschlagen. Das erklärten Diplomaten in Brüssel am Randes des EU-Gipfels. Zuvor hatte das «Handelsblatt» darüber berichtet. Insgesamt sollten Athen in diesem Zeitraum 15,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden; diese Gelder stammen aus dem bisherigen Programm. Das Angebot stoße aber auf Widerstand im Kreise der Euro-Finanzminister, auch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, so die Diplomaten.

Die Ressortchefs kommen am Samstag erneut zusammen, um über die Griechenland-Rettung zu beraten. «Die Finanzmärkte erfreut der Verbleib Griechenlands in der Euro-Familie zunächst», erklärte Börsenexperte Robert Halver von der Baader Bank. «Doch die Wiedervorlage der Griechenland-Krise ist schon fest terminiert», befürchtet er. «Im November geht der Polit-Zirkus weiter.»

Auch ein erneuter Kursrutsch in China sorgte vor dem Wochenende derweil für etwas Zurückhaltung am Markt. Wegen wieder aufgeflammter Sorgen vor einer Spekulationsblase sackten die chinesischen Festland-Börsen um annähernd 8 Prozent ab.

Unter den deutschen Einzelwerten stachen die Aktien von K+S mit einem Kurssprung heraus. Der kanadische Wettbewerber Potash hat ein Auge auf den Salz- und Düngemittelhersteller geworfen und winkt scheinbar mit einer dicken Übernahmeprämie. Potash habe mehr als 40 Euro je Aktie geboten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Mit einem satten Plus von fast 29 Prozent auf 37,40 Euro näherten sich die K+S-Papiere diesem Niveau an.

Bei Deutsche Annington und ProSiebenSat.1 schürten die Nachrichten zu K+S Hoffnungen auf einen baldigen Aufstieg in den Dax: Die Papiere des TV-Konzerns kletterten um 1,19 Prozent und die Anteile der Immobiliengesellschaft zogen um 0,74 Prozent an.

Bei Adidas zeigten sich die Anleger unentschlossen, ob starke Zahlen von US-Konkurrent Nike eher gut oder schlecht für den deutschen Sportartikelhersteller sind. Nach vorbörslichen Gewinnen waren die Aktien der Herzogenauracher zum Handelsstart um bis zu anderthalb Prozent abgesackt. Zuletzt entwickelten sie sich mit minus 0,56 Prozent schwächer als der Dax.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,67 Prozent am Vortag auf 0,69 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,03 Prozent auf 137,98 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,58 Prozent auf 150,07 Zähler. Der Euro fiel ebenfalls: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1202 (Donnerstag: 1,1206) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8927 (0,8924) Euro.