Nur geringe Verluste an Märkten nach griechischem Nein

Trotz des klaren Nein der Griechen zu den Sparvorgaben der Gläubiger haben sich die Verluste an den Finanzmärkten in Grenzen gehalten. Zwar gaben der deutsche Leitindex Dax und andere Börsen nach. Die Rückgänge fielen aber geringer aus als zunächst befürchtet.

Der Dax verlor 1,52 Prozent auf 10 890,63 Punkte. Im Handel vor Öffnung der Börse war das Minus noch deutlich höher gewesen - im Tagesverlauf erholte sich der Index aber. Der überraschende Rücktritt des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis wurde dabei von Börsianern als Stütze für den Markt gesehen. Der MDax mittelgroßer Werte fiel um 1,01 Prozent auf 19 673,56 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,35 Prozent auf 1651,09 Punkte nach unten.

Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 fiel etwas stärker um mehr als 2 Prozent, der CAC-40-Index in Paris um rund 2 Prozent. Die Börsen in Athen sind seit Tagen geschlossen.

Bei der Volksabstimmung über die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger hatten gut 61 Prozent der Griechen am Sonntag mit «Nein» votiert. Griechenland will den Euro-Partnern nun bei einem Sondergipfel am Dienstag in Brüssel neue Vorschläge gegen die Schuldenkrise vorlegen.

An der New Yorker Wall Street belastete der Ausgang des Referendums in Griechenland den Handel nur wenig. Der Dow Jones Industrial fiel in den ersten Handelsminuten mit 17 564 Punkten zwar auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar zurück. Der US-Leitindex erholte sich danach im Handelsverlauf aber und stand zuletzt nur noch bei einem Minus von 0,25 Prozent auf 17 685 Punkte.

Aus Branchensicht standen Bankwerte nach dem Griechen-Referendum europaweit am stärksten unter Druck. Im Dax gehörten die Anteilsscheine der Commerzbank und der Deutschen Bank mit Abschlägen von 3,73 Prozent und 2,95 Prozent zu den Schlusslichtern. «Finanztitel sind an der Börse immer besonders betroffen von erhöhter Unsicherheit um Griechenland, auch wenn das Geschäft bereits stark reduziert wurde und nur noch geringe direkte Abhängigkeiten bestehen», sagte ein Händler.

Die Belastungen für den Eurokurs hielten sich in Grenzen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,1065 US-Dollar gehandelt. Am Freitagabend hatte der Euro noch knapp über der Marke von 1,11 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am frühen Nachmittag den Referenzkurs auf 1,1008 (Freitag: 1,1096) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9084 (0,9012) Euro. Bereits in den vergangenen Wochen hatte der Währungsmarkt kaum auf die dramatische Entwicklung in Griechenland reagiert.

Am deutschen Anleihemarkt löste der Ausgang des Referendums keinen
Höhenflug aus. Der für den deutschen Markt richtungweisende Euro-Bund-Future stieg am späten Nachmittag um 0,28 Prozentpunkte auf 152,05 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag bei 0,77 Prozent. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen war am Morgen gegenüber dem Wert vom Freitag zunächst von 0,79 auf 0,72 abgesackt.

Die Renditen griechischer Anleihen blieben im Tagesverlauf auf
hohem Niveau. Zehnjähriger Papiere waren im Laufe des Vormittags auf
über 17 Prozent gestiegen. Bei zweijährigen Anleihen war die Rendite
am Morgen sogar auf über 60 Prozent hochgeschossen und hat sich dann
im Tagesverlauf um 48 Prozent eingependelt.

Die Anleihen anderer südeuropäischer Staaten sanken zwar auch im
Wert, allerdings deutlich schwächer. Neben Griechenland am stärksten
stiegen die Renditen in Portugal.