Vorstandsumbau bei Deutscher Bank besänftigt Aktionäre nicht

Ein neuer Vorstand soll bei der Deutschen Bank den umstrittenen Kurswechsel vorantreiben. «Auch wenn manche über Phantomschmerzen zu verfügen scheinen: Richtungsdiskussionen gehören der Vergangenheit an», betonte Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei der Hauptversammlung.

Wenige Stunden vor Beginn des Aktionärstreffens hatte der Aufsichtsrat einen weitreichenden Umbau des Top-Managements beschlossen. Co-Chef Anshu Jain bekommt mehr Macht, das schrumpfende Privatkundengeschäft kommt in neue Hände.

Jain und der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen räumten vor den Aktionären ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte war. Der Abbau von Altlasten sei teurer und dauere länger als gedacht. Zudem habe das Management unterschätzt, wie stark die Aufseher weltweit die Zügel für Banken anziehen.

«Wir sind freilich noch nicht am Ziel, der Umbau geht weiter», rief Fitschen den Aktionären zu. «Wir liefern Ihnen noch nicht die Renditen, die Sie erwarten und verdienen.» Doch beide Co-Chefs bekräftigten: «Wir sind davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Ende April hatte die Konzernführung beschlossen, die Tochter Postbank abzustoßen. Darüber hinaus will die Deutsche Bank bis zu 200 eigene Filialen schließen. Einschnitte - wenn auch geringere als in anderen Bereichen - gibt es auch im Kapitalmarktgeschäft.

Privatkunden-Chef Rainer Neske, der vergeblich gegen die Trennung von der Postbank gekämpft hatte, wird die Deutsche Bank nach 25 Jahren zum 30. Juni verlassen. Der zweite Mann in der Privatkunden-Sparte, Christian Ricken, verliert seinen Posten im erweiterten Vorstand und dürfte ebenfalls aus der Bank austreten. Neuer Privatkunden-Chef wird überraschend Christian Sewing, der seit Jahresbeginn für die juristischen Altlasten zuständig ist.

Der vor allem in Deutschland umstrittene Jain übernimmt die Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung. Fitschen, der durch den laufenden Kirch-Prozess in München belastet ist, bekommt keine neue Aufgabengebiete, sondern gibt die Zuständigkeit für die unternehmensinterne «Bad Bank» ab.

Die Abwicklungssparte übernimmt der bisher für die Strategie zuständige Finanzvorstand Stefan Krause. Der frühere BMW-Finanzchef ist künftig zudem für große internationale Zahlungsverkehrs- und Finanzierungsdienstleistungen zuständig. Das Finanzressort gibt Krause - wie schon länger bekannt - nach der Hauptversammlung an den früheren Eon-Manager Marcus Schenck ab, den der deutsche Branchenprimus vom Rivalen Goldman Sachs abgeworben hatte.

Gehen muss mit Alan Cloete ein enger Jain-Vertrauter. Der gebürtige Südafrikaner war zuletzt im erweiteren Vorstand für das Asiengeschäft zuständig. Zuvor leitete er den weltweiten Handel mit Zinsprodukten und Devisen. In diesem Bereich fanden etwa die Manipulationen der Libor-Kurse statt, die der Bank Milliardenstrafen einbrockten.

«Keine Frage: Das öffentliche Bild der Deutschen Bank ist derzeit stark angeschlagen und beschädigt», sagte Achleitner. «Niemand kann mit dem äußeren Erscheinungsbild sowie mit der Entwicklung des Aktienkurses zufrieden sein.» Rechtsfälle und schärfere Regeln der Aufseher überschatteten erste Erfolge. Es sei jedoch klar, dass die Branche im Allgemeinen und die Deutsche Bank im Besonderen «diese unrühmliche Vergangenheit konsequent aufzuarbeiten» habe.

«Wir Aktionäre zahlen jetzt die Zeche für die Casino-Spielchen unserer Investmentbanker aus der Vergangenheit», kritisierte der Vizechef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding. Die DSW will - notfalls vor Gericht - die Einsetzung eines unabhängigen Sonderprüfers zum Thema Altlasten durchsetzen.

Bereits vor der Hauptversammlung hatten einflussreiche Aktionärsberater zu einem Misstrauensvotum gegen den Vorstand aufgerufen und die Aktionäre aufgefordert, das Management nicht zu entlasten. Sollte die Hauptversammlungs-Mehrheit dem folgen, hätte das keine direkten Folgen - es wäre aber ein Denkzettel für die Doppelspitze. Da jedoch nur ein Drittel des Aktienkapitals bei der Hauptversammlung vertreten war, galt eine Nicht-Entlastung als unwahrscheinlich, weil die größten Deutsche-Bank-Eigentümer damit mehr Gewicht haben.