Frankreich will mit Auftaktsieg EM-Mission starten

Die Équipe tricolore will mit einem begeisternden Sieg zum Auftakt die krisengeplagte und vom Terror traumatisierte Grande Nation endlich in EM-Stimmung versetzen.

Frankreich will mit Auftaktsieg EM-Mission starten
Cugnot Mathieu Frankreich will mit Auftaktsieg EM-Mission starten

Nach zwei Jahren ohne Pflichtpartie und dem Zoff um den nicht nominierten Stürmerstar Karim Benzema ist die französischen Fußball-Nationalmannschaft bereit für die große Mission im eigenen Land mit nur einem Auftrag. «Unser Ziel ist es, bis zum Ende zu kommen und zu gewinnen», sagte Bayern Münchens Kingsley Coman vor dem Auftaktspiel der Europameisterschaft an diesem Freitag gegen Rumänien (21.00 Uhr) im Stade de France von Saint-Denis.

«Ein großes Turnier gibt den Menschen, vor allem in einem Land mit sozialen Sorgen die Möglichkeit zu entfliehen, das Spektakel anzuschauen und die französische Mannschaft zu unterstützen», sagte Trainer Didier Deschamps. Er wie alle anderen wissen aber auch um die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit im Gastgeberland: «Sie wollen uns gewinnen sehen.» Erst recht im allerersten Spiel der größten EM, die es bislang gab.

Deschamps, der selbst 1998 den WM-Pokal in Frankreich als Kapitän der Nationalmannschaft entgegen genommen hatte, kann gegen die defensiv starken Rumänen auf alle in seinem 23-köpfigen Kader zählen. Der zu Wochenbeginn noch angeschlagene Coman ist auch wieder fit, drei Tage vor seinem 20. Geburtstag wird er aber aller Voraussicht nach nicht zur Startelf zählen.

In Deschamps 4-3-3-System sollen ganz vorn Mittelstürmer Olivier Giroud, Bayern-Schreck Antoine Griezmann und Dimitri Payet - vor allem berüchtigt für seine Freistöße - versuchen, das rumänische Bollwerk zu durchbrechen. Das Team von Trainer Anghel Iordanescu ließ in der EM-Qualifikation gerade mal zwei Gegentore zu, erst kurz vor der EM endete eine Serie von 18 Spielen ohne Niederlage. Hinter Frankreichs starkem Sturmtrio lauern Paul Pogba, N'Golo Kanté von Englands Sensationsmeister Leicester City und Blaise Matuidi.

Für Rumäniens Iordanescu scheint angesichts der französischen Angriffs-Wucht ein Gegentreffer nur eine Frage der Zeit. «Frankreich ist uns klar überlegen», sagte er: «Deschamps hat Top-Spieler, die in der Champions League oder in der Europa League spielen. Wir haben Spieler, die in Rumänien, Bulgarien, Israel und Katar aktiv sind.» Auf Alexandru Maxim von Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart verzichtet Iordanescu bei der EM.

Im Gegensatz zu den Rumänen war bei den Franzosen die Abwehr oftmals der Schwachpunkt. Hinzu kommt, dass Spieler wie Raphäel Varane von Champions-League-Sieger Real Madrid oder Jérémy Mathieu vom spanischen Meister FC Barcelona verletzt fehlen. Dafür steht nun Adil Rami vom Europa-League-Dauer-Gewinner FC Sevilla nach fast dreijähriger Auswahlpause in der Viererkette.

«Wir haben keine Lust, bedächtig zu sein», betonte Kapitän und Torwart Hugo Lloris in einem Interview der Zeitung «L'Équipe». Man müsse aber von Spiel zu Spiel denken, mahnte der Keeper.

Vier Tage nach dem Rumänien-Match heißt der Gegner in Marseille Albanien - in der pflichtspiellosen Zeit kassierten die Franzosen eine Niederlage gegen den vermeintlichen Underdog, einmal kamen sie nicht über ein Remis hinaus. Das letzte Gruppenspiel bestreiten die Franzosen am 19. Juni in Lille gegen die Schweiz.

Ein Ausrutscher zum Auftakt könnte da schon fatale Folgen haben. «Das Spiel ist nicht entscheidend, aber es ist sehr wichtig», betonte Deschamps, der seine Mannschaft im EM-Quartier in Clairefontaine zuletzt abgeschottet von der Öffentlichkeit vorbereitet hat.

Zur Einstimmung war auch Frankreichs Präsident Francois Hollande zum Centre National du Football in einer waldreichen Gegend rund 50 Kilometer von Paris entfernt vorbeigekommen. Er hatte mit der Delegation gegessen und versichert, dass für die Sicherheit bei der EM alles getan sei - vor rund sieben Monaten hatten sich bei den Attentaten in Paris auch drei Attentäter am Stade de France während der Partie Frankreich gegen Deutschland in die Luft gesprengt. Ein Abend, den die meisten aus dem EM-Kader der Franzosen im Stadion miterlebt hatten.

Am 10. Juli findet im Stade de France auch das EM-Endspiel statt. Für Rumäniens Trainer Iordanescu steht jetzt schon fest: «Ich glaube, dass Frankreich das Finale gewinnen wird. Sie spielen vor ihren eigenen Fans und haben ein extrem wertvolles Team.»