Franz Ferdinand: Alter Sound, neue Action

«Kommt nachhause, praktisch alles ist fast vergessen», begrüßt die britische Band Franz Ferdinand ihre Fans zum Start des ersten neuen Studio-Albums seit vier Jahren auf ihrer Website.

Franz Ferdinand: Alter Sound, neue Action
Jose Coelho Franz Ferdinand: Alter Sound, neue Action

Die Botschaft kann als leicht ironische Geste der Einsicht durchgehen: Die vorherige Platte war gefloppt. Beim neuen Album «Right Thoughts, Right Words, Right Action» besinnen sich die Musiker aus Glasgow wieder auf die Markenzeichen, die sie zu Szene-Stars gemacht haben - rauer Gitarren-Sound, eingängige Melodien, die Atmosphäre ein stylischer Mix aus Verwegenheit und Euphorie.

Es war kein leichter Weg zurück. Nach der erschöpfenden Tour 2009 brauchten die Musiker erst einmal eine Pause von einander. Acht Jahre lang jeden Tag zusammen zu verbringen habe die Beziehung in der Band ausgedünnt, sagte Gitarrist Nick McCarthy der kanadischen Website «Exclaim». «Wir wollten einfach zuhause bleiben.» Es habe ein Jahr gedauert, bis sich die Bandmitglieder erstmals wieder zum Songschreiben versammeln konnten. Und die ersten Gehversuche nach der Pause klangen «schrecklich», räumt McCarthy ein. «Es klang, als würden wir in Sesseln singen.»

Während Franz Ferdinand vor rund zehn Jahren gerade mit druckvollen Rock-Songs wie «Take Me Out» zum Erfolg stürmte, machte sich die Müdigkeit 2009 beim erfolglosen dritten Album breit. Kritiker vermissten bei «Tonight: Franz Ferdinand» das Feuer der vorherigen Songs, die Platte debütierte zwar hoch in den Charts, doch die Enttäuschung der Fans ließ sie rasant abrutschen. Die Band gab sich ungerührt: «Will uns jemand sagen, dass wir etwas falsch gemacht haben? Wir machen die Musik, die wir wollen», hakte damals Sänger Alex Kapranos ab.

Doch jetzt sucht Franz Ferdinand gleich mit dem ersten Eröffnungssong des neuen Albums den Weg zurück in die Herzen der Fans. «Right Action» hat Tempo, Druck, die gewohnte ungezügelte Stimmung und obendrauf Bläsereinsätze. Es ist allerdings ein Ton, den die Franz-Ferdinand-Ausgabe von 2013 nicht halten kann: Schon das zweite Lied «Evil Eye» klingt ein wenig, als könne es auch von einer Boygroup sein. Dafür dürfte wenig später der direkte Rock von «Love Illumination» oder «Bullet» die Herzen der Fans höherschlagen lassen.

Der Spaß sei zurück, verkündete Kapranos in einem Interview mit der Zeitung «Observer». Das Problem nach dem Erfolg der ersten Alben sei die Gefangenschaft im Musikbetrieb gewesen. «Ich mochte nicht die Routine und die Verpflichtungen.» Werbetermine, Interviews, Zeitpläne: «Es fühlte sich an wie einer dieser Jobs.» Deshalb habe er die Band auflösen wollen. Inzwischen sei die Stimmung wieder anders, versichert auch Gitarrist McCarthy: «Wir streiten hin und wieder. Aber wir sind wieder an einem Punkt, dass wir Späße übereinander machen und gemeinsam ausgehen können. Und es fühlt sich nicht mehr an, als würde uns eine große Maschine antreiben.»