Franzose soll unter IS-Mördern sein

Unter den Geiselmördern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll nach Erkenntnissen der Regierung in Paris auch ein zum Islam konvertierter und radikalisierter Franzose sein.

Es könnte sich dabei um einen jungen Mann aus der Normandie handeln, der im August 2013 nach Syrien gereist sei, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Montag in Paris, nachdem der IS eine neue Videoaufnahme von Enthauptungen Gefangener veröffentlicht hatte. Er sprach von der «sehr großen Wahrscheinlichkeit», dass ein Franzose zumindest beteiligt gewesen sei.

Die IS-Terrormiliz hatte sich am Wochenende in einem Internet-Video zur Ermordung des US-Bürgers Peter Kassig bekannt. Er ist die fünfte westliche Geisel, die von den Extremisten getötet wurde. Das neue Video zeigt zudem eine brutale Massenhinrichtung gefangener syrischer Soldaten.

Die Eltern von Kassig drückten ihre tiefe Trauer aus. Sie seien «untröstlich», auch mit Blick auf die Angehörigen der anderen IS-Geiseln, die den Extremisten nicht entkommen seien, teilten Ed und Paula Kassig mit. «Wir sind unglaublich stolz auf unseren Sohn, dass er sein Leben nach seiner humanitären Berufung ausgelebt hat», hieß es in der über Twitter verbreiteten Stellungnahme. Die Eltern baten um Geldspenden an die US-Hilfsorganisation SAMS, die sich für eine bessere medizinische Versorgung in Syrien einsetzt.

Der 26-jährige Ex-Elitesoldat Kassig war am 1. Oktober 2013 als Entwicklungshelfer in Syrien entführt worden. Das am Sonntag verbreitete Video zeigt, dass er enthauptet wurde. IS-Extremisten hatten zuvor bereits die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie die Briten David Haines und Alan Henning ermordet.

Die USA und die EU verurteilten die Taten des IS. US-Präsident Barack Obama sprach der Familie Kassigs sein Beileid aus. Der aus Indianapolis (Indiana) stammende Entwicklungshelfer habe einen «unzähmbaren Geist des Guten und der Ausdauer» in sich getragen, erklärte Obama. Seine Entführung sei ein Akt des puren Bösen gewesen.

Der französische Innenminister stützte seine Einschätzung zur Beteiligung eines Franzosen an Enthauptungen auf Analysen des Videos vom Sonntag durch die Geheimdienste. Nach Medienberichten nennt sich der aus dem Département Eure stammende Mann nun Abu Abdallah al-Faransi («der Franzose»). Er soll höchstens 23 Jahre alt sein und nach einem Aufenthalt in Mauretanien im Jahr 2012 allein über die Türkei nach Syrien gereist sein, um sich dort dem Dschihad anzuschließen.

Nach Angaben aus französischen Geheimdienstkreisen wird gegenwärtig überprüft, ob noch ein zweiter, aus einer großen Provinzstadt stammender Franzose unter den Geiselmördern sein könnte.

IS-Kämpfer drohten unterdessen mit der Ermordung von gefangenen libanesischen Soldaten und Polizisten, sollten nicht lebenslange Gefängnisstrafen gegen inhaftierte Extremisten aufgehoben werden, wie der libanesische Kanal Future TV berichtete. Insgesamt sind 24 libanesische Sicherheitskräfte in der Gewalt des IS und der radikalen Al-Nusra-Front, einem Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida.