Freiburg schockt Dardai: Hertha zurück in Abstiegszone

Schon nach dem zweiten Spiel unter Interimscoach Pal Dardai ist die gute Laune bei Hertha BSC wieder vorbei. Begleitet von gellenden Pfiffen schlichen die ideen- und konzeptlosen Spieler des Hauptstadtclubs nach dem 2:0 (1:0) gegen den SC Freiburg vom Platz.

Freiburg schockt Dardai: Hertha zurück in Abstiegszone
Oliver Mehlis Freiburg schockt Dardai: Hertha zurück in Abstiegszone

Durch die vierte torlose Niederlage in den vergangenen fünf Spielen rutschte die Hertha zurück in die Abstiegszone der Fußball-Bundesliga. «Das tut natürlich weh», meinte Hertha-Profi Julian Schieber. «Wenn man zu Hause kein Tor schießt, kann man nicht gewinnen. Das war zu wenig.» Ansonsten aber redete zunächst keiner der Spieler, Trainer Dardai hatte sie umgehend nach dem Schlusspfiff in die Kabine im Berliner Olympiastadion beordert.

«Ich habe der Mannschaft gesagt, es gibt viele Dinge, die wir besprechen müssen», erklärte der 38 Jahre alte Ungar und bemängelte unter anderem die Körpersprache seiner Spieler. «Das kann ich nicht akzeptieren.» Er räumte allerdings ein, womöglich in den vorangegangenen Tagen zu viel trainiert zu haben. «Das ist aber meine Vision. Wir müssen hart arbeiten», meinte Dardai.

Die Freiburger rückten durch den zweiten Auswärtssieg der Saison mit 21 Zählern vorerst vorbei an der punktgleichen Hertha auf Rang 15. Felix Klaus (14. Minute) und Maximilian Philipp (52.) erzielten vor 37 617 Zuschauern die Tore. «Genau so Mannschaften wie Hertha muss man schlagen, wenn man drinbleiben will», betonte Klaus. «Die Mannschaft ist heute als Mannschaft aufgetreten. Und wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht», lobte Trainer Christian Streich.

Kollege Dardai hatte auf eine mutige, allerdings auch etwas naiv wirkende Aufstellung gesetzt. Der Nachfolger von Jos Luhukay beorderte in Afrika-Cup-Sieger Salomon Kalou, WM-Teilnehmer Valentin Stocker und Ronny gleich drei Offensivkräfte ins Mittelfeld. Die Freiburger erkannten aber schnell die Lücken im Berliner Personal-Puzzle. So sprang bis auf eine Chance von Schieber nach einem Freistoß-Zuspiel von Kalou in der fünften Minute kaum Nennenswertes für die Hertha heraus.

Streichs «Jetzt-erst-recht»-Devise angesichts sieben verletzt oder krank fehlender Spiele zahlte sich dagegen aus. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf von der linken Seite spitzelte der neu in die Startformation gerückte Karim Guedé den Ball in die Mitte zu Klaus. Der Freiburger ließ Hertha-Schlussmann Thomas Kraft keine Chance und erzielte sein zweites Saisontor.

Die Berliner wirkten auch danach einfallslos. Stattdessen wäre Freiburg - seit April 2005 in Berlin ungeschlagen - fast das 2:0 gelungen, als Jonathan Schmid (37.) einen Freistoß knapp vorbeizielte. Für Sekunden entfachten die Herthaner nach dem Wiederanpfiff neue Hoffnung: Das Zuspiel von Schieber verpasste Kalou aber um Zentimeter. Auf eine grundsätzliche Personal-Korrektur hatte Dardai zur Pause überraschenderweise verzichtet. Herthas Rekordspieler beobachtete in seiner Coachingzone minutenlang ohne Regung die Partie und musste dann den wuchtigen Kopfballtreffer nach einer Ecke durch Philipp mitansehen.

Nach gut einer Stunde hatte Dardai genug von Ronnys Auftritt und schickte Hajime Hosogai auf den Platz. An der mangelnden Kreativität änderte das nichts. Eine taktische Linie war im Spiel der Berliner praktisch nicht zu erkennen. «Unser Konzept hat nicht durchgeschlagen», meinte Dardai. Die Freiburger hatten kaum Probleme, die Führung bis zum Schlusspfiff zu verteidigen. Brenzlig wurde es einzig noch mal vier Minuten vor Schluss. Stocker traf den Ball zwei Meter vor der Torlinie aber nicht richtig.

Ballbesitz in %: 57,7 - 42,3

Torschüsse: 11 - 8

gew. Zweikämpfe in %: 54,3 - 45,7

Fouls: 20 - 15

Ecken: 2 - 1

Quelle: optasports.com