Freistoßspray feiert Premiere im deutschen Fußball

Die ersten Graffitis fanden sich schon vor über 4000 Jahren im Alten Ägypten, ab sofort wird auch in den Stadien des Fußball-Weltmeisters kräftig gesprüht.

Freistoßspray feiert Premiere im deutschen Fußball
Patrick Seeger Freistoßspray feiert Premiere im deutschen Fußball

Wenn das bei der WM erprobte Freistoßspray am Freitag seine Premiere im deutschen Profifußball feiert, geht es jedoch nicht um künstlerische Ausdrucksformen, sondern die klare Botschaft an die Spieler: Bis hierhin und nicht weiter.

«Das Freistoßspray ist nichts Revolutionäres. Dadurch wird sich der Fußball nicht verändern. Wenn eine Dose mal nicht funktioniert, wird das Spiel nicht abgebrochen. Aber es kann zur Beruhigung der Gemüter bei Freistoßsituationen in Strafraumnähe beitragen», sagte Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Nachrichtenagentur dpa.

Nachdem alle rechtlichen Dinge geklärt wurden, steht der Premiere nichts mehr im Wege. Laut Fröhlich habe der Zwischenhändler in Deutschland die entsprechenden Bestätigungen ausgestellt, dass die Etiketten den EU-Normen entsprechen, und die DEKRA die Verkehrstauglichkeit des argentinischen Produkts geprüft. «Die nötige Zertifizierung wurde ausgestellt», berichtete der 57-Jährige. «Ab diesem Wochenende sind die Schiedsrichter also in der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga mit dem Freistoßspray unterwegs. Und auch im DFB-Pokal wird es ab der nächsten Runde eingesetzt.»

Der DFB erfüllt damit einen Wunsch der Proficlubs, die schon zu Saisonbeginn auf die Einführung des Hilfsmittels gedrängt hatten. «Die Vereine der Liga haben sich sehr stark für eine zeitnahe Einführung eingesetzt. Es kam das einhellige Votum, dass das Spray eine Sache sei, die hilft», berichtete Fröhlich. Obwohl es bei der WM zwei, drei negative Beispiele gegeben habe, «die nicht im Sinne der Sache waren, haben wir Schiedsrichter uns an der positiven Grundstimmung orientiert und beschlossen: Okay, wir machen das auch», erläuterte er weiter.

Die Unparteiischen selbst messen der Neuerung keine überragende Bedeutung bei. «Wir in Deutschland hatten nicht das Problem bei der Mauerstellung, das war vielleicht in anderen Ländern der Fall», sagte der Bremer Erstliga-Referee Peter Gagelmann.

Nicht nur deshalb sind die Referees angehalten, sparsam mit dem Spray umzugehen. «Der Einsatz des Freistoßsprays darf die Dynamik des Spiels nicht stören. Das haben wir den Schiedsrichtern weitergegeben und ist ihnen auch klar. Wir rechnen daher im Schnitt mit drei bis vier Anwendungen pro Spiel», erklärte Fröhlich.

5000 Dosen im Gesamtwert von rund 50 000 Euro hat der DFB zunächst geordert. «Die Schiedsrichter nehmen zur Sicherheit in jeder Halbzeit eine neue Dose und auch der Vierte Offizielle hat Ersatz dabei», berichtete Fröhlich. Die Erstausstattung jedes Unparteiischen - 15 Dosen - sollte also bis Weihnachten reichen. Dann könnte es ohnehin zu Problemen kommen. «Auf Schnee macht das weiße Spray wenig Sinn», sagte Fröhlich. «Und uns ist nicht bekannt, dass es das Spray schon in irgendeiner Farbkombination gibt.»