Früherer Linke-Chef Lothar Bisky gestorben

Der frühere Linke-Vorsitzende Lothar Bisky ist tot. Der Mitbegründer der Partei starb am Dienstag im Alter von 71 Jahren. Bisky war von 1993 bis 2000 und von 2003 bis 2010 Vorsitzender der PDS und der Nachfolgepartei Die Linke.

2012 trat er aus gesundheitlichen Gründen auch als Vorsitzender der Linken im Europaparlament zurück. Die genaue Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Die Parteispitze würdigte Bisky als großen Mitgestalter der Gegenwart in Deutschland, engagierten Kämpfer für die Einheit Europas und starken Streiter für soziale Gerechtigkeit.

«Wir trauen um einen Menschen mit einem höchstanständigen Charakter, mit großer Toleranz, mit tiefem Mitgefühl, mit einem tiefsinnigen Humor und mit größter Bescheidenheit», erklärten die Linke-Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger. Oskar Lafontaine, der zusammen mit Bisky 2007 die gesamtdeutsche Linke gegründet hatte, sagte: «Er hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Wir haben gemeinsam für eine einige und starke Linke gekämpft. Viele werden sein politisches Erbe weiter tragen.»

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), zeigte sich tief bestürzt über den Tod eines «menschlich großartigen Kollegen». Außenminister Guido Westerwelle sagte, er habe vor allem Biskys Kollegialität, seine Verbindlichkeit und seine Liebe zur Kultur geschätzt. Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir erklärten: «Er war ein überzeugter Europäer und streitfreudig, immer fair und an ehrlichen Diskussionen interessiert.»

Bisky wurde am 17. August 1941 in Pommern geboren, wuchs in Schleswig-Holstein auf und ging als 18-Jähriger in die DDR, weil er hier eine bessere Zukunftsperspektive sah. Erst mit der Wende kam er in die Politik, wurde 1993 erstmals PDS-Vorsitzender und begründete 2007 zusammen mit Oskar Lafontaine die gesamtdeutsche Partei Die Linke. Er galt als Mittler zwischen den zerstrittenen Parteiflügeln. Dabei wurde er selbst den regierungswilligen Reformern zugerechnet.

Anders als sein Co-Vorsitzender Lafontaine mied Bisky als Parteichef eher das Scheinwerferlicht - er galt als Mann der leisen Töne, als guter Strippenzieher und Streitschlichter. Bisky hinterlässt eine Frau und zwei Söhne - den Maler Norbert Bisky und den Journalisten Jens Bisky. Sein jüngster Sohn Stephan war Ende 2008 gestorben.