Frida Gold: «Wir können es jetzt mit der Welt aufnehmen»

Der Stil hat ein Zuhause: Hattingen. Glamour und Ruhrpott - ein Widerspruch? Wer das denkt, hat Frida Gold noch nicht getroffen.

Frida Gold: «Wir können es jetzt mit der Welt aufnehmen»
Rolf Vennenbernd Frida Gold: «Wir können es jetzt mit der Welt aufnehmen»

Die Band um die wunderschöne Frontfrau Alina Süggeler lässt andere Popstars auf dem roten Teppich blass aussehen. Seit ihrem Debütalbum «Juwel» vor zwei Jahren sind die Musiker mit eingängigen Popsongs erfolgreich. Auf ihrem Siegeszug haben sie auf die harte Tour gelernt, was dabei alles auf der Strecke bleiben kann - zum Beispiel die Liebe. Vielleicht steckt deshalb in jeder Rille der neuen Platte «Liebe ist meine Religion» genau das.

«Ich glaube, man muss bereit sein, über Liebe zu schreiben», sagt Süggeler mit offenem Blick aus den riesengroßen Augen. Auf dem ersten Album habe sie das nicht so bejahend hingekriegt. In der Zwischenzeit ist ihre Beziehung mit dem Bassisten Andi Weizel in die Brüche gegangen.

Auch, weil die beiden nicht so hart daran gearbeitet haben wie an dem Projekt Pop, gesteht Süggeler. «Das ist sicherlich auch etwas, dass ich an mir selbst kritisiere: Dass ich dieses Durchhaltevermögen, das wir für Frida Gold an den Tag gelegt haben, so in meinen Beziehungen nicht wiederfinde.» Das verarbeitet die 28-Jährige auch in dem Song «Die Dinge haben sich verändert». Für die Single «Liebe ist meine Rebellion» hat sich die Band fast unbewusst bei dem 90er-Hit «Freed from Desire» bedient.

Auseinandergetrieben hat die Trennung Süggeler und den charismatischen Bassisten nicht. «Ist das nicht ein schöner Mann?», fragt Süggeler als sie im Büro ihres Labels Warner Music in Köln mit einem Fotografen Bilder von dem Bandkollegen auf dem Laptop anklickt. «Es hat total Sinn gemacht, daran zu glauben, dass aus einer Liebe eine ganz intensive Freundschaft werden kann.»

Über Songs für die neue Platte brüteten die beiden auf engstem Raum - in ihrer neuen Wohnung in Berlin. In dieses «Meer von kreativen Strömungen» wollte die Band beim ersten Album noch nicht. Ihr Herz gehörte nach Hattingen. «Wir brauchten dieses Abgeschirmtsein und mussten uns einfach entwickeln.»

Zwei Jahre später sind die vier - neben Süggeler und Weizel gehören Gitarrist Julian Cassel und Schlagzeuger Thomas Holtgreve zur Band - selbstbewusster geworden. «Das war unser Status zu sagen: Wir können es jetzt mit der Welt aufnehmen und das Ruhrgebiet auch mal verlassen.» Weizel grinst. «Und trotzdem haben wir den letzten Song zwei Tage vor Abgabe in der Wohnung von Alinas Mama in Hattingen mit dem Laptop auf dem Schoß und dem Mikro in der Hand eingesungen.» Stilistisch sind sich Frida Gold mit «Liebe ist meine Religion» absolut treu geblieben. Eins können die Songs auf der neuen Platte von «6 Billionen» bis «Deine Liebe» nach wie vor: den Po automatisch im Takt mitschwingen lassen.