Froome zurück auf dem Tour-Thron - Krönung für Greipel

Gesamtsieger Christopher Froome genehmigte sich auf seiner verregneten Tour d'Honneur ein Gläschen Champagner, André Greipel krönte sich auf den Champs Élysées zum Sprinterkönig.

Beim großen Finale auf dem Pariser Prachtboulevard raste das Kraftpaket aus Rostock zu seinem vierten Etappensieg bei der so spektakulär verlaufenen 102. Tour de France und vollendete ein weiteres Sommermärchen der deutschen Radprofis.

«Alles, was ich in meiner Karriere gemacht habe, zahlt sich jetzt aus», sagte Greipel voller Stolz in der ARD und wollte «auf jeden Fall nicht mit Wasser» feiern. Greipel, der auf der 21. und letzten Etappe über 109,5 Kilometer von Sèvres nach Paris vor dem Franzosen Bryan Coquard und dem Norweger Alexander Kristoff gewann, sorgte für den sechsten deutschen Etappensieg - so viele holte keine andere Nation.

Ansonsten hieß es nach 3360,3 Kilometern auf den Champs Èlysées, wo am frühen Morgen eine Schießerei für eine Schrecksekunde gesorgt hatte, aber wieder «Rule Britannia». Der 30 Jahre alte Froome wiederholte nach einem spektakulären Duell mit dem Kolumbianer Nairo Quintana seinen Toursieg von 2013. «Beim ersten Mal ist ein Traum wahr geworden. Jetzt habe ich es wieder geschafft. Ich kann es kaum begreifen», sagte Brite, der in der Stunde des Triumphes die vielen - unappetitlichen - Anfeindungen abhakte.

Bis er den Siegerpokal auf dem Podium im Schatten des Arc de Triomphe hochhalten durfte, musste er aber am Vortag auf dem Weg ins Radsport-Mekka L'Alpe d'Huez «tausend Tode» sterben. Sein hartnäckiger Rivale Quintana hätte Froome beim Showdown fast noch das Gelbe Trikot entrissen. Mickrige 72 Sekunden Vorsprung hatte der Brite nach über 85 Stunden Fahrzeit vor dem Kletterer aus den Anden nach Paris gerettet. Im Nachhinein erwies sich die Windkanten-Etappe nach Zeeland am zweiten Tag, als Quintana 1:28 Minuten verloren hatte, fast schon als Schlüsselerlebnis. Auf Platz drei fuhr der einst des Dopings überführte Routinier Alejandro Valverde (+5:25) aus Quintanas Movistar-Team.

Die Schlussetappe gehörte aber traditionell den Sprintern, und da trat Greipel in die Fußstapfen seines diesmal daheim gebliebenen Landsmannes Marcel Kittel, der 2013 und 2014 ebenfalls in Paris gewann. Für Greipel war es bereits der insgesamt zehnte Tagessieg, womit er in der deutschen Bestenliste nur noch zwei Erfolge hinter Erik Zabel liegt. «Das war heute der Abschluss unserer eigenen WM. Wir haben alles noch mal in die Waagschale gelegt. Dieses Jahr haben wir alles richtig gemacht», sagte Greipel, den nach den schweren Alpen-Etappen der vergangenen Tage Knieschmerzen plagten.

Es war das passende Finale einer erneuten «Tour d'Allemagne». Neben Greipel hatten auch Rauschebart Simon Geschke und Tony Martin eine Etappe gewonnen. Fast noch denkwürdiger war aber Martins unermüdliche Jagd nach Gelb, die in Cambrai ihr Happy End und zwei Tage später beim Schlüsselbeinbruch in Le Havre ihr jähes Ende gefunden hatte.

Danach hatte Froome das Kommando übernommen und nicht mehr abgegeben. Für den wie ein Roboter auf dem Rennrad fahrenden Briten und sein Sky-Team war es der Startschuss für einen regelrechten Spießrutenlauf. Froome wurde beleidigt und bespuckt, mit Urin überschüttet, seine Kollegen bekamen Faustschläge in die Rippen. Am Ziel seiner Träume angelangt, zeigte aber wenigstens der in Kenia geborene Froome gute Manieren. «99,9 Prozent der Fans sind absolut fantastisch. Es sind einige wenige Zuschauer, die das Image beschmutzen», sagte Froome, der auch das Bergtrikot holte. Der letzte Gesamtsieger, dem dieses Kunststück gelang, war 1970 Eddy Merckx.

Quintana, der am Samstag als Zweiter hinter dem Franzosen Thibaut Pinot die Ziellinie in L'Alpe d'Huez überquert hatte, wurde bester Jungprofi. Der Slowake Peter Sagan holte zum vierten Mal in Serie das Grüne Trikot des Punktbesten.

Das Wetter spielte bei der Triumphfahrt aber nicht mit, Regen begleitete die Fahrer nach Paris. Aus diesem Grund hatte die Organisation kurzfristig entschieden, dass bereits nach der ersten von zehn Passagen auf dem rutschigen Kopfsteinpflaster von Paris die Gesamtwertung zementiert ist. Dramatische Stürze, wie etwa in der ersten Woche, sollte das Klassement nicht mehr beeinträchtigen.

Unterdessen hatte ein Vorfall am Morgen die Sicherheitskräfte aufgeschreckt. Ein offensichtlich betrunkener Autofahrer hatte die Absperrungen durchbrochen, woraufhin die Polizei das Feuer eröffnete. Der Fahrer flüchtete unerkannt, verletzt wurde niemand.