Fußball-Pause: Selbst Löw hält jetzt «mal den Mund»

Fußball-Pause - endlich! Endlich? Spieler und Trainer genießen jetzt die Auszeit, die meisten Fans aber sehnen bereits den Rückrundenauftakt am 30. Januar herbei. 309 Bundesliga-Spiele - inklusive Relegation - gab es in diesem furiosen Jahr.

Fußball-Pause: Selbst Löw hält jetzt «mal den Mund»
Uwe Anspach Fußball-Pause: Selbst Löw hält jetzt «mal den Mund»

Dazu 15 Länderspiele, darunter das unvergessene WM-Finale in Brasilien. Einer wie Joachim Löw kann sich manchmal selbst kaum noch sehen und hören und lesen nach unzähligen Interviews und Ehrungen. «Es ist auch gut, wenn ich jetzt mal irgendwann den Mund halte und nichts mehr über Fußball erzähle», räumte der Bundestrainer im Jahresrückblick des Hörfunk-Senders B5 aktuell ein.

Abpfiff heißt es nun auch erstmal für Löw, der vom Fachblatt «kicker» wenig überraschend zum «Mann des Jahres 2014» gekürt wurde. Ganz schnell den Abflug gemacht haben die Stars des FC Bayern - 2014 gefordert wie kaum jemand im Profigeschäft. So kam Torhüter Manuel Neuer auf 61 Pflichtspiele für Bayern und Nationalmannschaft. «Das sportliche Jahr ist geschafft. Ein Bild gestern aus der Kabine. Jetzt kehrt Ruhe ein...», postete er zum Hinrunden-Abschluss auf seiner Facebook-Seite.

Selbst Bayern-Vorstand Matthias Sammer mahnt den überragenden Herbstmeister nicht vor Übermut oder davor, den Titel noch zu verspielen. Der Spruch «Der Weihnachtsmann ist nicht der Osterhase» stammt ja auch noch aus den Zeiten von Uli Hoeneß. «Die Spieler sollen jetzt machen, was sie wollen. Sie sollen sehr wenig tun, viel regenerieren», erklärte Sammer vor dem 18-tägigen Urlaub des Spitzenreiters. In einem Video an die Fans sangen die Münchner fröhlich und unbeschwert «We wish you a merry Christmas».

Beine hochlegen und nicht gleich wieder an den Trainingsplänen für die Vorbereitung tüfteln - das heißt es für die Trainer und ihre Mitarbeiter. «So ein bisschen hab' ich Angst vor diesem Urlaub - weil er so kurz ist», räumte Eintracht Frankfurts Chefcoach Thomas Schaaf ein. «Man ist da ein bisschen in Wartestellung: Was passiert, wenn es wieder losgeht? Ich werde versuchen, ein paar Tage raus und nicht erreichbar zu sein.»

Sein 61 Jahre alter Kollege Huub Stevens beim krisengeplagten VfB Stuttgart hat Erholung bitter nötig. Die jüngsten Partien hätten natürlich Kraft gekostet - «ich werde auch nicht jünger». Über seine Spieler sagt der Niederländer: «Ich hoffe, dass sie besser aus dem Urlaub kommen, als sie gehen. Ich will, dass sie einen guten Urlaub haben und wissen, worum es geht.» Die Fans halten sich mit Debatten über den Abstiegskampf die nächsten Wochen über Wasser, finden so manche WM-DVD unterm Weihnachtsbaum, fahren vielleicht mal zu einem Hallenturnier, obwohl der Budenzauber aus der Mode gekommen ist, und haben sich den Trainingsauftakt ihres Clubs im Kalender angekreuzt.

Ruhe ist auch in der Frankfurter DFB-Zentrale eingekehrt, wo im Foyer ein großes Plakat hängt: «Willkommen beim Weltmeister», steht über einem Foto der in eine schwarz-rot-goldene Fahne gehüllten Christusstatue von Rio de Janeiro. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat seinen Mitarbeitern am Ende des berauschenden Fußballjahrs empfohlen: «Jetzt über Weihnachten mal zu Hause auf die Couch legen, den Fernseher und das Radio ausschalten und sich kneifen und fragen, ob das alles wahr ist!»

Für Löw sind nun wirklich alle Fragen zum Jahr des WM-Triumphes beantwortet. Weihnachten und Neujahr will der 54-Jährige zu Hause im Schwarzwald verbringen. Nach über 250 Reisetagen 2014 freut sich der Bundestrainer «aufs eigene Bett und die eigenen vier Wände».