Furcht vor Gift: US-Segment der Raumstation ISS evakuiert

Alarm im All: Nach dem möglichen Austritt von giftigem Ammoniak auf der Internationalen Raumstation ISS ist das US-amerikanische Segment evakuiert worden. Der Druck im Kühlsystem dieses Segments sei plötzlich sehr stark gefallen, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau nach Berichten russischer Agenturen mit.

Als möglicher Grund wurde der Austritt von Ammoniak vermutet. Die US-Astronauten Barry Wilmore und Terry Virts begaben sich zur Sicherheit mit großer Eile in den russischen Teil. Die Luke zwischen den beiden Modulen sei geschlossen worden, hieß es.

Austritt von Ammoniak gilt - neben einem Brand und einem Druckabfall - als größte Gefahr für den Außenposten der Menschheit. Der gasförmige Stoff dient unter anderem zur Kühlung des Stromkreislaufs auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde. Derzeit arbeiten auch noch drei Russen und die Italienerin Samantha Cristoforetti auf der ISS.

«Nach unseren Informationen ist sie ebenfalls im russischen Modul», sagte ein Mitarbeiter der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Neben dem russischen und dem US-amerikanischen Segment gehören auch ein europäisches und ein japanisches Labor zur Raumstation.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa teilte mit, der Austritt von Ammoniak sei zunächst unbestätigt. Sicherheit gehe vor. «Wir wissen aber nicht, was Ursache des Alarms war. Möglicherweise war es der Fehler eines Sensors, möglicherweise ein Druckproblem. Wir haben bislang zumindest keine Hinweise auf ausgetretenes Ammoniak», teilte die Nasa mit. Sie kündigte eine umfangreiche Prüfung aller Systeme der ISS an.

Der Raumfahrtbehörde Roskosmos in Moskau zufolge werden die beiden US-Astronauten vermutlich bis zu diesem Donnerstag im russischen Segment bleiben. «Es gibt dort genug Sauerstoff und Lebensmittel», sagte Roskosmos-Chef Oleg Ostapenko. «Gegenwärtig ist das amerikanische Segment der ISS isoliert, die Mannschaft ist in Sicherheit und befindet sich im russischen Segment», betonte er. Roskosmos zufolge wurde der Alarm gegen 09.44 Uhr (MEZ) ausgelöst.

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst sagte, die Situation auf der ISS führe hoffentlich nicht zu größeren Schwierigkeiten. Die Mannschaft sei auf solche Fälle auch vorbereitet. «Das wird im Training geübt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Darmstadt. Die Hälfte der Übung sei Notfalltraining, berichtete der Geophysiker. Er hatte von Mai bis November 2014 in der Schwerelosigkeit geforscht.

«Die Luke zum US-Segment ist geschlossen, nun läuft die Untersuchung», sagte Frank De Winne von der Esa. Man nehme den Zwischenfall sehr ernst. Bereits im Mai 2013 war ein Leck im Kühlsystem der ISS aufgetreten. Damals mussten zwei US-Astronauten ins All aussteigen, um das Loch bei einem Außeneinsatz abzudichten.