Fußball-Fest für den FC Augsburg: «Liverpool ist Kult»

«Highlight der Vereinsgeschichte», «Traumspiel», «Belohnung»: Und die Deutschland-Rückkehr von Jürgen Klopp macht den Festtag mit dem FC Liverpool für den FC Augsburg noch attraktiver.

Fußball-Fest für den FC Augsburg: «Liverpool ist Kult»
Marijan Murat Fußball-Fest für den FC Augsburg: «Liverpool ist Kult»

Zwar gibt sich der langjährige Kultcoach von Borussia Dortmund alle Mühe, den Hype um seinen spannungsgeladenen Auftritt zu bremsen. Doch die Augsburger können den Anpfiff des seit zwei Monaten ersehnten Duells gegen den 18-maligen englischen Meister nicht mehr abwarten.

«Liverpool ist Kult. Es ist sensationell, dass wir gegen Liverpool spielen und mit Klopp gibt es noch einmal mehr Brisanz und hebt den FC Augsburg noch einmal mehr auf eine Bühne», frohlockte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl.

Weitaus weniger euphorisch gab sich Klopp vor den zwei K.o.-Spielen der Europa League am Donnerstag in Augsburg und eine Woche später an der legendären Anfield Road. «Es ist cool, aber es ist nicht so, dass ich darauf gewartet hätte», wiegelte der 48-Jährige gut gelaunt ab. «Ich werde wahrscheinlich ein paar Leute ein bisschen besser verstehen als normalerweise.»

Nach einer spektakulären Gruppenphase mit dem «Wunder von Belgrad» als dramatischem Finale wollen die Augsburger jede Sekunde auskosten, die Vorfreude wächst minütlich. «Es treffen zwei Vereine aufeinander, die man eigentlich nicht vergleichen kann. Aber im Fußball ist es immer möglich, in zweimal 90 Minuten Sensationen zu schaffen», sagte Weinzierl trotz aller Abstiegsnöte des Tabellen-14. der Bundesliga.

Allergrößte Fußballtradition, Titel ohne Ende und große Finanzkraft treffen auf einen Bundesliga-Emporkömmling mit kluger Strategie und bescheidenen Mitteln.

Sogar zum Gesprächsthema bei Englands Premierminister David Cameron und Kanzlerin Angela Merkel hat es der FCA mit seiner «amazing story» geschafft. «Nun kommt der Höhepunkt der positiven Entwicklung des Vereins. Das ist definitiv das Highlight der Vereinsgeschichte, das Highlight der letzten Jahre», schwärmte Weinzierl, dessen Club die internationale Tournee unter dem selbstironischen Motto «In Europa kennt uns keine Sau» angegangen war.

Erstmals seit Mai 2015 beim emotionalen BVB-Abschied und vier Monate nach seinem Engagement auf der Insel ist der in England bestaunte Klopp nun in neuer Rolle in einem deutschen Stadion zurück; es ist sein elftes Spiel gegen den FCA. «Gar keine» Erinnerungen habe er an das letzte Duell mit den Augsburgern, kokettierte Klopp jüngst, als er von knapp zwei Dutzend deutschen Journalisten in Liverpool besucht wurde. «Wahrscheinlich haben wir unentschieden gespielt oder vielleicht sogar verloren oder gewonnen.»

Die Gesamtbilanz aus seiner Dortmunder und Mainer Zeit gegen den FCA: Fünf Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen.

In Europa ist Liverpool in dieser Saison noch ungeschlagen. Augsburg verlor zwei seiner drei Heimspiele, bei denen satte 14 Tore fielen. «Wir sind Außenseiter, aber in der Rolle fühlen wir uns in der Regel ganz wohl», erklärte FCA-Manager Stefan Reuter vor den «Traumspielen». «Das darf man schon als Belohnung für die letzten Jahre ansehen», hob auch Torhüter Marwin Hitz hervor.

Mehr Pflicht als Lohn ist es für Liverpool um die früheren Bundesliga-Profis Emre Can (Bayern/Leverkusen) und Roberto Firmino (Hoffenheim). Der Tabellenachte hat eigentlich nur noch beim Triumph in der Europa League die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren. Der Wettbewerbs-Winzling aus Bayerisch-Schwaben soll in dessen internationaler Premierensaison keine Hürde sein. Seinen Teamkollegen habe er erstmal erklären müssen, wo Augsburg überhaupt liege, erzählte der deutsche Nationalspieler Can.

Gleich sechsmal schlug Augsburgs Raúl Bobadilla in dieser Saison in der Europa League zu, führte vor der K.o.-Runde die Torjägerliste zusammen mit Aritz Aduriz (Bilbao) an. Die Angriffsfertigkeiten des bulligen Stürmers, der auch gegen Bayern beim 1:3 traf, sind gegen Liverpool gefragt. Aber noch viel mehr - zumal Mittelfeldchef Daniel Baier fehlt. «Das sind Spiele, in denen wir uns zerreißen werden. Die Mannschaft wird 110 Prozent geben, versicherte Weinzierl.