Gabriel: SPD wirkt auf viele «emotional ermüdet»

 SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seine im Umfragetief steckende Partei aufgerufen, sich nicht auf sozialpolitischen Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen. Die SPD müsse sich ernsthaft fragen, ob sie den Gerechtigkeitshunger einer sich rasch verändernden Gesellschaft richtig wahrnehme.

Gabriel: SPD wirkt auf viele «emotional ermüdet»
Maurizio Gambarini Gabriel: SPD wirkt auf viele «emotional ermüdet»

Manchmal wirke die SPD wie eine «emotional ermüdete Partei» im Hamsterrad der Sozialreparatur, sagte Gabriel bei einer SPD-Konferenz in Berlin. 

Es sei ein Alarmsignal, dass nur noch 32 Prozent der Bürger der SPD Kompetenz in Fragen der sozialen Gerechtigkeit zutrauten. Auch die Volkspartei Union sei unter Druck - der Vertrauensverlust in Gerechtigkeitsfragen sei für seine Partei aber «existenziell», unterstrich der Vizekanzler. 

«Fehler zu machen, ist nicht schlimm, sie nicht zuzugeben, ist schlimm», meinte Gabriel. Er hatte am Wochenende angebliche Rücktrittsgerüchte entschieden zurückgewiesen. 

«Focus»-Herausgeber Helmut Markwort überlegt nach dem Wirbel um seine Äußerungen über einen angeblichen Rücktritt von Gabriel, ob er missbraucht worden ist. Womöglich seien die Informationen gezielt über ihn lanciert worden, um einen Machtwechsel in der SPD noch zu verhindern, sagte Markwort der Deutschen Presse-Agentur in München. «Ich kann nicht ausschließen, dass dieser Rücktrittsplan zerstört werden sollte.»

Markwort hatte am Sonntag in einer Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks gesagt: «Ich habe aus zuverlässiger Quelle gehört, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zurücktreten will.» Nachfolger als Parteichef solle Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz werden, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz solle Kanzlerkandidat werden.