Gamescom im Zeichen von virtuelle Realität und E-Sport

Die Spiele-Messe Gamescom in Köln startet mit einem Fokus auf virtuelle Realität. Zum Auftakt stellten die die Veranstalter am Mittwoch auch die Bedeutung der Branche über die eigenen Grenzen hinaus in den Vordergrund.

Gamescom im Zeichen von virtuelle Realität und E-Sport
Oliver Berg Gamescom im Zeichen von virtuelle Realität und E-Sport

Die virtuelle Realität gilt als Paradebeispiel dafür, weil sie auch in Medizin, Bildung, Industrie oder Verkauf eine immer größere Rolle spielt. Zahlreiche Games, in denen der Spieler mit Hilfe eines Headsets oder einer VR-Brille komplett in künstliche Welten abtauchen können, stehen auf der Gamescom zum Anspielen bereit. 

Die Gamescom wird in Köln traditionell von einem umfangreichen Rahmenprogramm flankiert, darunter auch Angebote für Eltern und Familien. In diesem Jahr wird auch der Kölner Dom einbezogen. Bis zum Freitag werde das Gotteshaus abends ab 22.00 Uhr für Besucher offen stehen, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker am Mittwoch zur Eröffnung der Messe. Geplant sei eine «multisensorische Inszenierung» mit Lichtinstallation und Lasershow.

Zur weltweit größten Messe für Computer- und Videospiele erwartet die Koelnmesse bis zum Sonntag rund 500 000 Besucher. Seit 2009 habe sich die Ausstellungsfläche fast verdoppelt, sagte Reker. Zur Eröffnung habe die Messe so viele politische Gäste wie nie zuvor begrüßen können, sagte Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Branchenverbands BIU. «Wir wünschen uns natürlich, dass das Interesse das ganze Jahr anhält.» 

«Virtual Reality ist das nächste große Ding», sagte Schenk. Damit setzten Computerspiele als «Leitmedium unserer Zeit» auch über die Branchengrenzen hinweg Standards. So zeigten sie etwa auf, wie auch die Industrie 4.0 zu funktionieren habe, nämlich intuitiv und die Menschen verbindend. 

Die Bedeutung der Branche sei noch immer nicht überall sichtbar, oft werde sie reflexartig für gesellschaftliche Ereignisse verantwortlich gemacht, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär (CSU) in Köln. Sie verwies in ihrem Grußwort auf eine australische Studie, wonach Kinder, die regelmäßig spielen, besser in der Schule seien. 

Zudem sprach sich die Vorsitzende des netzpolitischen Arbeitskreises der CSU dafür aus, den E-Sport als Sportart anzuerkennen und in die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender aufzunehmen. «Die Sportart Schach ist unser bestes Vorbild», sagte Bär laut einer Mitteilung. Auch bei der Formel 1 würden geistige und motorische Fähigkeiten mit einem hochtechnischen Gerät kombiniert. Auf der Gamescom gehören E-Sport-Titel, bei denen die Gamer gegeneinander am PC oder der Konsole in den Wettkampf ziehen, zu den großen Trendthemen.  

«Digitale Spiele sind seit jeher ein Treiber von Innovationen und neuen Anwendungen», erklärte auch der netzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Thomas Jarzombek. «Solche Innovationen in Deutschland zu entwickeln, muss auch zukünftig möglich und attraktiv sein.» Jarzombek forderte gute Rahmenbedingungen für Gründungs- und Innovationsförderung.

Zur Gamescom ging auch ein neues Online-Beratungsangebot für Internetsüchtige an den Start. Der an der Uniklinik Bochum angesiedelte «Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige» (OASIS) richtet sich bundesweit sowohl an Betroffene als auch an deren Angehörige. Er will bei süchtigem Verhalten bezogen auf verschiedene Netzinhalte beraten - von Computerspielen über soziale Netzwerke bis hin zu Pornografie. Auf der Seite können Betroffene oder Angehörige etwa testen, ob sie selbst oder ein Familienmitglied gefährdet seien. Beratung per Webcam im Videochat soll vom 1. September an folgen.

Die Gamescom öffnet ab Donnerstag für alle Besucher. In diesem Jahr gibt es unter dem Eindruck der jüngsten Terror-Anschläge verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. Besucher sollen wenn möglich Taschen und Rucksäcke zu Hause lassen. Traditionell bevölkern während der Messe auch zahlreiche zum Teil sehr fantasievoll kostümierte Rollen-Spieler die Messehallen und die Stadt am Rhein. Nachbildungen von Waffen sind dieses Jahr tabu. Auch waffenähnliche Elemente sind während der gesamten Messe nicht zugelassen.