Garcia-Rücktritt setzt FIFA-Exekutive weiter unter Druck

Die Entwicklung rund um die FIFA-Ethikkommission wird auf der Tagesordnung lediglich unter «Verschiedenes» aufgeführt, doch das brisante Thema wird die Exekutive des Fußball-Weltverbandes weitaus mehr beschäftigen.

Garcia-Rücktritt setzt FIFA-Exekutive weiter unter Druck
Walter Bieri Garcia-Rücktritt setzt FIFA-Exekutive weiter unter Druck

Wenn Präsident Joseph Blatter mit seinem Kabinett am Donnerstag und Freitag in Marrakesch zusammen kommt, kann von einem gemütlichen Jahresausklang kaum die Rede sein. Der Ruf der FIFA ist nach dem Rücktritt von Chefermittler Michael Garcia völlig ramponiert. Der frühere US-Staatsanwalt zog die Konsequenzen und reagierte mit seinem Abgang frustriert auf den laxen Umgang des Fußball-Weltverbandes mit dem Korruptionsskandal um die umstrittenen WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Ein Ausweg aus der Glaubwürdigkeitskrise ist kaum in Sicht. Vielmehr gerät die Exekutive zunehmend in Bedrängnis. So will sich der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger für eine Veröffentlichung des Garcia-Reports stark machen, was die Exekutive bislang abgelehnt hat. Auch das Thema Menschenrechte in Katar dürfte die FIFA-Herren weiter beschäftigen.

Von dem eigenen Anspruch der Transparenz ist die FIFA jedenfalls weit entfernt. Der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert hatte nach Durchsicht des 430-seitigen Garcias Report zu möglichen Korruptionsfällen rund um die beiden WM-Vergaben «keine gravierenden Verstöße» festgestellt und war durch die FIFA bestätigt worden.

Damit war für Garcia die Grenze überschritten. Der Amerikaner, der sich vergeblich für eine Publikmachung seines Reports einsetzte, beklagte einen «Führungsmangel» innerhalb der FIFA und richtete scharfe Attacken gegen Eckert. Blatter nimmt den Abgang seiner zentralen Figur zumindest äußerlich gelassen. «Die Arbeit der Ethikkommission wird trotzdem weitergehen und in den nächsten zwei Tagen ein zentraler Punkt der Diskussionen beim Meeting der Exekutive sein», kündigte der Schweizer an.

Mit einer Neubesetzung dürfte es kaum getan sein. Schon jetzt stellt sich nach den chaotischen Entwicklungen die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Ethikkommission. In Marrakesch wird Blatter dies kaum lösen können.