Gauck: Deutschland will keine Dominanz in Europa

Bundespräsident Joachim Gauck ist Befürchtungen entgegengetreten, Deutschland wolle in Europa eine Vormachtstellung erreichen. Vor deutschen und französischen Jugendlichen sagte Gauck am Donnerstag in Marseille, «Deutschland strebt keine Dominanz an».

Gauck: Deutschland will keine Dominanz in Europa
Wolfgang Kumm Gauck: Deutschland will keine Dominanz in Europa

Wenn die «schmerzhaften Reformen» der Agenda 2010 unter dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder als Beispiel angeführt würden, dann sei dies keine Anmaßung, sondern eher ein Diskussionsvorschlag für andere Länder. «Niemand in Deutschland träumt davon, Europa zu führen», sagte Gauck weiter. Das gelte für Politiker und Bevölkerung gleichermaßen.

Auf die Frage einer Studentin, ob es in der Europäischen Union mehr finanzpolitische Koordination geben müsse, verwies Gauck darauf, dass er nicht Chef der deutschen Regierung sei. «Ich bin im Grunde Zierrat», sagte der Bundespräsident, gab dann aber doch zu erkennen, dass er für mehr und nicht weniger Kooperation eintritt. Europa werde in der globalisierten Welt nur gemeinsam wahrgenommen. «Wenn wir ernst genommen werden wollen, brauchen wir Europa.»

Zum Abschluss seines dreitägigen Staatsbesuchs in Frankreich hob Gauck in Marseille die positive Entwicklung der Hafenstadt hervor, die in diesem Jahr auch europäische Kulturhauptstadt ist.