Gauck für mehr Risikobereitschaft in der Wirtschaft

In Deutschland gibt es über 50 Handwerkskammern. 407 Jungmeistern in Sachsen gratulierte der Bundespräsident in Dresden persönlich zur bestandenen Prüfung - verbunden mit konkreten Erwartungen.

In einer gerechten Gesellschaft darf beruflicher Erfolg nach Ansicht von Bundespräsident Joachim Gauck nicht von der Herkunft abhängen. Menschen müssten durch eigene Leistung, Ehrgeiz und Fleiß aufsteigen können, sagte er als Festredner bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Dresden. Es sei «ein schönes Stück Deutschland», dass die gesellschaftliche Anerkennung nicht nur vom Doktortitel abhänge und nichtakademische Karrieren anerkannt würden.

Mit Blick auf den zu erwartenden Generationswechsel in bundesweit rund 200 000 Handwerksbetrieben bis 2024 forderte er die jungen Meister auf, auch zu Akteuren zu werden. Die deutsche Wirtschaft brauche mehr Risikobereitschaft. «Wir könnten von anderen Teilen der Welt lernen, wo der Begriff Risiko mit Chancen verbunden wird.» Das werde noch zu oft als Möglichkeit des Scheiterns gesehen. Es bedeute aber die Bereitschaft, die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen. «Jeder Schritt in die Selbstständigkeit und zur Unternehmensgründung ist daher nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch wichtig.»

Der Meisterbrief sei nicht nur eine verbriefte Leistung, sondern auch ein Versprechen für die Zukunft. «Wer ihn hat, kann vieles meistern», sagte Gauck. Die nun erworbene Verantwortung geht nach den Worten von Gauck über das Erreichen schwarzer Zahlen hinaus. «Nutzen Sie Ihren Meistertitel dazu, selbst junge Leute auszubilden», rief er die Jungmeister aus 26 Gewerken von Bäcker und Friseur über Fliesenleger und Kfz-Techniker bis zum Tischler und Uhrmacher auf. Sie sollten dabei über das eigene Unternehmen und Umfeld hinaus aktiv und Vorbild werden - nicht nur im wirtschaftlichen Sinne. «Ich wünschte mir auch mehr Handwerksmeister in Parlamenten - wegen der Bodenständigkeit.»