Gauck redet bei Revolutionsfeier in Leipzig

Bundespräsident Joachim Gauck erinnert heute in Leipzig an die friedliche Revolution vor 25 Jahren. Das Staatsoberhaupt will bei einem Festakt im Leipziger Gewandhaus eine «Rede zur Demokratie» halten.

Gauck redet bei Revolutionsfeier in Leipzig
Maurizio Gambarini Gauck redet bei Revolutionsfeier in Leipzig

Am 9. Oktober 1989 waren in der Messestadt 70 000 Menschen auf die Straße gegangen, um Freiheit und Demokratie zu fordern. Unter dem Ruf «Wir sind das Volk» zogen sie über den Innenstadtring, bedroht von Stasi, Polizei und Kampfgruppen.

Der 9. Oktober 1989 gelte heute als der Tag der Entscheidung, sagte Gauck der «Leipziger Volkszeitung». An jenem Tag mussten die Mächtigen vor den vielen Mutigen zurückweichen. «Deshalb denken wir beim 9. Oktober im besonderem Maße an die friedliche Revolution.» Gauck hatte schon mehrfach deutlich gemacht, dass die Ereignisses dieses Tages aus seiner Sicht weit mehr als der Mauerfall am 9. November den Durchbruch im Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft markierten.

Zum 25. Jahrestag will der Bundespräsident zusammen mit den Staatspräsidenten von Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei an verschiedenen Veranstaltungen in Leipzig teilnehmen. Die fünf Staatsmänner erinnern in diesem Jahr gemeinsam an Schlüsselereignisse und -orte der friedlichen Revolution in den ehemaligen Ostblock-Staaten. Im Juni trafen sie sich in Warschau und Budapest. Nach Leipzig werden sie im November in Bratislava und Prag erwartet.

Ein zentraler Gedenkort ist die Nikolaikirche, die als ein Symbol für die friedliche Revolution gilt. Nach den Friedensgebeten in dieser Kirche hatten sich die Menschen 1989 zu den mit jeder Woche größer werdenden Montagsdemonstrationen versammelt. Am Gedenktag steht das Friedensgebet unter dem Motto «Hoffnung fährt unter die Angst». Es spricht der ehemalige US-Außenminister James A. Baker. Er war 1990 an den «Zwei-plus-Vier-Verhandlungen» beteiligt, mit denen die deutsche Einheit besiegelt wurde.

Emotionaler Höhepunkt des Gedenkens ist am Abend das Lichtfest in der Leipziger Innenstadt: Vor dem Opernhaus werden Bürger und die Staatsmänner um Joachim Gauck Kerzen niederlegen und aus 25 000 Lichtern die Zahl 89 formen. Entlang des 3,6 Kilometer langen Innenstadtrings wird es an 20 Stationen Kunstinstallationen zu den Themen Freiheit und Frieden geben. Wie schon zum 20. Jahrestag 2009 werde mit 150 000 Teilnehmern gerechnet, sagte ein Sprecher des Mitorganisators Leipzig Tourismus und Marketing.

Leipzig erinnert in jedem Jahr an die Montagsdemonstration, die als Meilenstein auf dem Weg zum Mauerfall am 9. November gelten. Nur das Denkmal, das genau wie in Berlin, an die dramatischen Tage des Revolutions-Herbstes erinnern soll, fehlt immer noch. Eigentlich sollte das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal an diesem Donnerstag der Öffentlichkeit übergeben werden. Der Bau hat aber noch nicht einmal begonnen. Nach zahlreichen Streitigkeiten und gerichtlichen Auseinandersetzungen liegt das Projekt auf Eis.